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Freitag, 21. September 2012

Ich bin eine Frau

Was war das wohl für ein Seminar, nach dem ich mich wieder als begehrenswerte und vollwertige Frau fühle, obwohl ich keine Kinder bekommen kann? Was mag das für ein Wochenende gewesen sein, bei dem man tanzend den Tag beginnt? Bei dem man am dritten Tag, alle Nackenverspannungen los ist. Drei wundervolle Tage nach dem man zum Feierabend nicht mehr zu Bier oder Zigaretten greifen will, sondern sich lieber auf den Boden setzt und bewusst atmet. Ich will jetzt Dinge für mich tun und nicht mehr meine Energie für die Bedürfnisse anderer verschenken. Von einem Über-ich war die Rede, dass man spöttisch in die Schranken weisen darf, wenn es von mir verlangt alles besser und schneller zu machen oder dringend eine Diät zu starten.

Es gab einen Moment in dem durfte ich einfach nur da sein. So wie ich bin. Ich musste nichts tun oder sein, hatte keine Anforderungen zu erfüllen. Ich lag auf dem Rücken und atmete tief ein. Ein fremder Mann hielt meinen Kopf und lächelte mich dabei an. Dabei erfuhr ich Glück, Geborgenheit, Freiheit, ja Wollust, sodass mir die Tränen über die Wangen liefen.
Ich empfand diesen Mann vorher als bedrohlich, denn er sagte mir, dass er mich sehr sympathisch findet und mich gerne mal umarmen möchte. Ich stimmte zu aber ich fühlte mich unwohl. Sekunden lang drückte er seine Brust gegen meinen Busen. Zu lang. „Was nimmt der sich raus?“, dachte ich „der weiß doch, dass ich mit meinem Mann hier bin.“ Tatsächlich, darf dieser Mann mich jetzt jederzeit umarmen, so lange er will. Ist das nicht verrückt? Ich habe diesen Mann nackt gesehen und so seine Zartheit, Zerbrechlichkeit, Schönheit und Liebe erkannt. Es ist danach unmöglich diesen  Menschen abzuweisen. Im Gegenteil, man zieht sich zu ihm hingezogen. Wer hätte von Euch bei dieser Beschreibung an ein Tantra-Seminar gedacht?

Ich habe dieses Seminar Noerd zum Geburtstag geschenkt, ohne zu wissen, was mich dabei erwartet. Er hat es angenommen, ohne zu wissen, was ihn erwartet oder was ich von ihm erwarte. Was habe ich denn eigentlich erwartet?
Wir haben jetzt fünf Jahre Sex lang gehabt mit dem Ziel ein Kind zu bekommen. Dabei haben wir darauf geachtet, dass er sein Sperma möglichst nah an meinen Gebärmuttermund schießt, ich dabei möglichst auf dem Rücken liege, nach der Ejakulation möglichst noch ein wenig liegen bleibe und das alles möglichst auf Kommando am 11., 12. und 13. Zyklustag. Damit sollte Schluss sein. „Ein Tantra-Seminar könnte da neue Impulse geben.“, hoffte ich und dachte an prickelnde Massagetechniken, die ich aus dem Fernsehen kannte.

Entgegen aller Erwartungen, habe ich Tantra als eine Lehre erfahren in der man sich selbst und andere als liebesbedürftige Wesen erkennt. Ich bin noch ganz verwirrt und muss viele meiner alten Denk-Schubladen über Bord schmeißen; noch viele Atemzüge auf meinem neuen Sitzkissen machen; mir viel Zeit nehmen, bei der Einordnung von Situationen und der Beurteilung von  Menschen. Nach knapp zehn Jahren Beziehung, habe ich Noerd neu kennen gelernt und dadurch noch tiefere Gefühle für ihn entdeckt. Ich sage Euch, das löst ein ganz anderes Feuerwerk aus als eine Penis-Massage!
Ich möchte mich bei einer ganz lieben Freundin bedanken, die mir dieses Seminar empfohlen hat. Wir haben schon so viel Großes gemeinsam erlebt. Schön, dass es Dich gibt.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Jedes fünfte Paar!

Bei zwanzig Prozent aller Paare in Deutschland erfüllt sich der Kinderwunsch nicht. Wir sind eins davon! Dieser Blog ist von einer Nichtschwangeren für Nichtschwangere zum - selbstverständlich - anonymen Austausch. In den letzten Jahren habe ich so viele werbeverseuchte Foren durchstöbert und versucht aus den unleserlichen Einträgen ein paar Antworten auf meine tausend Fragen zu bekommen. Ein Geduldsspiel! Weil ich weiß, dass es Euch auch so geht, ist dieser Blog der Versuch meine und Eure Erfahrungen ein wenig leserlicher aufzuarbeiten.

Dass Thema Kinderwunsch ist für mich genauso ernst wie für Euch, trotzdem bemühe ich mich die Themen mit etwas Humor zu behandeln, damit mir derselbe nicht verloren geht. Schreibt mir bitte Kommentare und Themenwünsche; dieser Blog wird nur durch Euch wertvoll!

Eure Franka Fruchtig

Mittwoch, 22. Juni 2011

Baby-Projekt-Management

In meinem Unterleib merke ich ein leichtes Ziehen. Ist das schon meine Regel? Dieses Mal wünsche ich mir aus rein organisatorischen Gründen, dass sich die Blutung noch ein paar Tage Zeit lässt. Im nächsten Zyklus wollen wir mit der Behandlung in Österreich beginnen und bis dahin gibt es noch verdammt viel zu organisieren. Frau Schilcher, meine Betreuerin der Wiener Klinik, hat mir eine lange Checkliste geschickt, die ich bis zur ersten Downregulierungsspritze* am Zyklustag zwanzig abarbeiten muss.

Eigentlich hatte ich Frau Schilcher zunächst nur nach der Bestätigung über die Einhaltung der Deutschen Gesetze gefragt, die unsere Krankenkasse angefordert hat. Als Antwort bekam ich die Bestätigung und das komplette Austria-Wunschkind-Orga-Package geliefert, inklusive Behandlungplan, Hormon-Rezepte, Vertrag, mitzubringende Blutbefunde, usw. Natürlich ist das nur der medizinische Teil. Für das Baby-Projekt muss ich mich zusätzlich noch um die Unterkunft, die Flugbuchung und meinen Urlaub kümmern.

Die Unterlagen der Wiener Kinderwunschklinik schlagen vor, dass die Frau ab Zyklustag elf Vorort sein soll. Der Mann wird nur am Tag der Punktion ‚gebraucht’. Die Punktion ist für den 13ten oder 14ten Zyklustag eingeplant un
d der Blastozysten**-Transfer findet spätestens fünf Tage danach statt. Das bedeutet, dass ich eine Unterkunft für zirka acht Tage finden muss. „Ein Hotel fällt bei diesem langen Aufenthalt wohl weg.“ denke ich und klappe den quietschenden Bildschirm meines Laptops hoch. „Mal sehen, was mein Freund, das Internet für Alternativen kennt…“


Nachdem ich eine Studenten-WG und ein Zimmer im Seniorenheim für uns ausgeschlossen habe, finde ich eine interessante Webseite die „Wohnen auf Zeit“ anbietet. Hier kann man möblierte Wohnungen für ein paar Monate aber auch für eine Woche anmieten. Es gibt ein paar schnuckelige Buden für 30 Euro pro Nacht, bzw. 200 Euro pro Woche. Ich fülle das Online-Formular aus und frage die Verfügbarkeit von zwei, drei Wohnungen an die recht zentral liegen. Zufrieden mit meiner Online-Recherche quietsche ich mein Laptop wieder zu und lehne mich entspannt zurück. „Für den Flug an Zyklustag elf, müsste ich jetzt nur noch wissen, wann ich meine Tage bekomme.“


Fortsetzung: Post von der Ver-Sicher-ung

*Mit der Downregulierung unterdrück man die Hormonproduktion der Hirnanhangsdrüse und verhindert damit, dass der Eisprung eintritt.
** Blastozyste nennt man das Stadium bei der Embryoentwicklung, bei dem der Embryo bereits mehere Hundert Zellen hat und die Einnistung in die Gebärmutter unmittelbar bevor steht.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Gratis-Tampons gegen schlechte Laune

Für den dritten Ultraschalltermin am heutigen Donnerstag habe ich einen sehr frühen Termin bekommen. Es ist so früh an diesem Kinderwunschmorgen, dass noch nicht einmal Licht im Wartezimmer der Klinik an ist. Auch die Kaffeemaschine gibt nur ein leeres Zischen von sich. Meine Schwester ist wieder mitgekommen. Das finde ich toll. Meine Gesichtszüge laufen jedoch noch im Notstromaggregatmodus und sie schaffen es nicht, ihr meine Freude so richtig zu zeigen. Da werden wir auch schon aufgerufen.

Der Termin verläuft sehr ähnlich wie der letzte. Linker Eierstock ist prall gefüllt, rechter Eierstock hat zwei Mini-Follikel aufzuweisen. "Tja, das kann schon mal sein, dass man einen Zyklus erwischt, in dem nur ein Eierstock aktiv ist.", sagt mein Doc und legt seinen mitleidigen Blick auf. "Ziehen Sie sich erstmal an, dann besprechen wir alles Weitere." Im Umkleideeck des Behandlungszimmers bekomme ich schlechte Laune und schlüpfe nur bockig in meine Hose. "Man(n) hat doch schon am zweiten Zyklustag auf dem Ultraschallgerät gesehen, dass links gute Anlagen sind und rechts nicht. Zu dem Zeitpunkt konnte ich schon selber erkennen, dass sich links einige Minifollikel tummeln. Rechts war aber gar nichts zu sehen." denke ich, während ich meine Schnürsenkel zubinde. Aus Frust packe ich erstmal ein paar Tampons ein, die dort für die Patientinnen kostenlos herumliegen. Das hebt meine Laune kurzfristig.

Zurück im Behandlungszimmer sagt mein Doc: "Es ist doch alles in Ordnung." und versucht mich damit aufmuntern. "Am Samstag können wir die Punktion durchführen und am kommenden Montag den Transfer."
"Hmmmhm." gebe ich wortkark zurück.
"Heute nachmittag nehmen Sie die eisprungauslösende Spritze."
"Hmmmhm."
"Diesesmal sollten wir dann drei Eizellen einsetzen."
"Hmmmhm."
"Am Abend vor der Punktion bitte nach 21:30 nichts mehr essen. Aber das sagt Ihnen auch nochmal die Narkoseärztin."
"Hmmmhm."
"So und jetzt müssen Sie nochmal zur Blutabnahme für den AIDS-Test und dann noch in die Abrechnungsstelle."
"Hmmmhm."
"Bis Samstag."

Ich quäle mir ein Lächeln heraus und gebe meinem Doc die Hand. Komisch, am Anfang hatte ich den Doktor wirklich nett gefunden, aber jetzt wächst mein Misstrauen. Will er meinen persönlichen Wunsch nach einem Kind unterstützen, oder will er diesen Monat einfach noch ausreichend verdienen? Februar ist schließlich ein kurzer Monat; da macht sich im Kinderwunsch-Business sicher jeder Zyklustag bemerkbar. Auf die Idee, diesen Versuch abzubrechen, kam ich leider nicht.

Fortsetzung

Dienstag, 8. Februar 2011

Ovarische Verweigerungshaltung

Es ist der achte Zyklustag. Fünf Tage lang spritze ich bereits morgens, mittags und abends Hormone. Seit gestern muss ich zwischen 17 und 18 Uhr auch noch die eisprungverhindernde Spritze Orgaludingsbums setzen. Für dieses Spritzenpensum sieht mein Bauch, bis auf zwei blaue Flecken, eigentlich noch ganz gut aus.

Heute habe ich vor der Arbeit einen Termin bei meinem Kinderwunsch-Doktor zum zweiten Ultraschall. Zu diesem Termin wird getestet, ob die Hormone gut anschlagen und ob sie richtig dosiert sind. Ich habe meine Schwester gebeten, zur Untersuchung mitzukommen. Ich hatte spontan beschlossen, dass es einfacher sei, sich vorzustellen wie eine Kinderwunschbehandlung aussieht, wenn man mal bei einem Arztbesuch dabei war. Wir sitzen erst ein paar Minuten zusammen im Wartezimmer, da werde ich auch schon aufgerufen. Ich gehe schon aus Gewohnheit an der Arzthelferin vorbei in das Umkleidezimmer und mache mich bereit. Mein Schwesterchen nimmt auf dem Besucherstuhl neben der Tür platz.

Zwei Minuten später befinde ich mich in der Ultraschall-Untersuchung. Nachdem ich so viel Geld für Hormone ausgegeben habe wie noch nie, erwarte ich auf dem Bildschirm eine regelrechte Armada an heranwachsenden Follikel zu sehen. Meine Erwartungen an meinen linken Eierstock werden voll und ganz erfüllt. Es tummeln sich dort acht bis zehn schwarze Murmeln in einer beachtlichen Größe. Nun bahnt sich der Ultraschallstab seinen Weg an meiner vorbildlich aufgebauten Gebärmutterschleimhaut vorbei zu meinem rechten Eierstock. Vier Augenpaare kleben gespannt auf den Bildern des Ultraschallgeräts auf der Suche nach der Follikel-Großproduktion meines rechten Ovars.

Gähnende Leere macht sich breit; von Folliken keine Spur. Erst nach mehrfachen Anläufen des Ultraschallstab-Jongleurs, lassen sich zwei Mini-Follikel dazu herab ihr schwarzes Gesicht in die Kamera zu halten. Das gibt es doch nicht! Mein rechter Eierstock hat keinen Bock! "War das in den früheren Behandlungen auch schon so?", fragte der Doktor mich. Ich verneinte. Bisher war die Ausbeute immer gleichverteilt. Aber warum werde ich das eigentlich gefragt? Steht denn in meiner Patienten-Akte nichts darüber? Na ja, es ist wohl wie überall im Leben, man muss immer ein wenig mitdenken.

Bevor mein Doc mich zur Blutabnahme entlässt, stellt er fest, was wir alle mit eigenen Augen bereits gesehen haben. "Es ist alles in Ordnung. Es ist ein guter Versuch. Vielleicht wachsen die zwei Follikel auf der rechten Seite jetzt ja noch. Nehmen Sie die Hormone unverändert weiter. Es nützt übrigens nichts wenn Sie sich rechts in den Bauch spritzen." Ich frage mich, ob das ein Witz sein sollte. "Bin ich wirklich schon gefragt worden." fügt er hinzu und lacht wie jemand, der sich erklären will. "So, jetzt muss ich weiter. Bis Donnerstag, Frau Fruchtig." Und Tschüss.

Um drei Kanülen Blut erleichtert, verlasse ich die Klinik. Meine Schwester versucht mich aufzuheitern. Meine Enttäuschung über die Verweigerungshaltung meines rechten Ovars, sieht sie meinem Gesicht natürlich an. Es sagt: "Es ist der letzte Versuch. Warum muss ich diesesmal so wenig Follikel produzieren wie noch nie? Ich hatte gehofft, die letzte Hormonbehandlung würde eher mehr Versuche ermöglichen als zuvor." Dann sagt meine Schwester den Satz, der mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. "Du bist keine Maschine, meine Süße, und das ist auch gut so." Sie hat recht. Und vielleicht tut sich ja wirklich bis zum nächsten Ultraschalltermin am Donnerstag rechts noch etwas. Der Alltag ruft. Spätestens um 10 Uhr muss ich im Büro sein.

Fortsetzung

Mittwoch, 26. Januar 2011

Rauchen Sie?

Diese Frage stellte uns die Ärztin im ersten Beratungsgespräch in der Kinderwunschklinik. Ich verneinte die Frage. Zwar hatte ich früher hier und da mal eine Zigarette geraucht, aber eine eigene Packung hätte ich mir nie gekauft. Meist schnorrte ich mir eine Zigarette von irgendwem, nachdem ich bereits einen Wein oder ein Bier getrunken hatte. Mit einem leichten Schwips schmecken Zigaretten eben. Als wir begannen aktiv für unseren Kinderwunsch zu ‚üben’, war es für mich kein Problem auch diese paar Zigaretten wegzulassen.

Jetzt schaute die Ärztin meinen Partner eindringlich an. „Und rauchen Sie?“ Sein Gesichts bekam schlagartig einen Ausdruck, als hätte man ihn beim Kavaliersdelikt in flagranti erwischt. „Ja.“ antwortete er dennoch selbstbewusst. Die Ärztin reagierte darauf mit bestimmendem Ton: „Wenn Sie irgend etwas dazu beitragen möchten, dass sich Ihr Kinderwunsch erfüllt, dann hören Sie damit auf.“ „Puh, das hat gesessen“, dachte ich. Im Stillen freute ich mich, dass endlich jemand die Sache einmal so klar ausdrückt. Natürlich, ich hatte schon mal versucht das Thema anzusprechen, aber wer könnte mehr Glaubhaftigkeit und Kompetenz versprühen, als eine Ärztin der Kinderwunschklinik?

Abends zu Hause kämpfte ich mit mir, ob ich das Thema Rauchen noch mal offen ansprechen sollte. Schließlich hatte die Ärztin mir eine Vorlage dazu geliefert. Auf der anderen Seite haderte ich. Unsere Beziehung ist in einem sehr guten Zustand, weil wir uns gegenseitig keine Vorschriften machen. Das sollte auch so bleiben aber ein unerfüllter Kinderwunsch geht eben auch mich etwas an. Ich musste noch mal nachhaken solange das Thema heiß war! Also gab ich mir einen Ruck. „Willst du denn jetzt aufhören zu rauchen?“ stolperte es aus mir raus. Ein paar Sekunden später war ich fassungslos, denn seine Antwort war: „Nein“.

Stille.

„Wie bitte?“ dachte ich. „Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich rauche.“ fügte er nach einer kurzen Sprechpause noch hinzu. „Das ist ja wohl unglaublich!“ brodelte es in mir, aber ich sagte nichts. Was würde es helfen, wenn ich jetzt logische Argumente gegen so eine völlig unlogische Aussage bringen würde? Als ich meine innere Contenance wiedergefunden hatte, sagte ich abschließend „Wenn die Ärztin einer Kinderwunschklinik sagt, dass Rauchen einer der Hauptgründe für schlechte Spermaqualität ist, dann wird das schon stimmen.“ Innerlich dachte ich: „Ich pumpe meinen Körper bald mit Hormonen voll, gehe körperliche und seelische Risiken ein - vergrößerte Eierstöcke, Thrombosegefahr, Narkoserisiko, Depressionen - um nur ein paar zu nennen - und Du machst einfach NICHTS!?“ Ich beendete den Abend innerlich aufgewühlt. Nach diesem Gespräch sollte das Thema Rauchen erstmal ein paar Wochen ruhen.

Fortsetzung folgt

P.S. Bitte schreibt doch in das Kommentarfeld welche Ausreden Euch schon begegnet sind. Eure Franka

Samstag, 1. Januar 2011

Blei-Babys

Zu Silvester wird im Hause Fruchtig immer gründlich resümiert. Anhand der tausend geschossenen Digitalfotos, die fast nicht mehr zu administrieren sind, schauen wir uns das vergangene Jahr noch einmal an. Was war gut? Was war schlecht? Den ultimativen Erfolgscheck führen wir mittels moderner Projektmanagementtechnik durch: Zu Beginn eines Jahres schreiben wir unsere Wünsche und Vorhaben auf einen kleinen Zettel. Auf den Zetteln sind zirka fünf Themen vermerkt und nach Wichtigkeit sortiert. Mein Liebster trägt dann ein Jahr lang meine Wünsche in seinem Portemonnaie herum und ich seine Wünsche in meinem. Alle paar Monate schauen wir gegenseitig auf die Zettel; aber spätestens am 1. Januar wird abgerechnet!

Ganz oben auf meinem Zettel für 2010 steht: "Ein Baby zeugen." Alle Wünsche danach, wie "wöchentlich zwei mal Joggen gehen" verblassen ein wenig und werden beim Resümee nur am Rande erwähnt. "Streng genommen haben wir das Vorhaben ein Baby zu zeugen erreicht", sage ich zu meinem Liebsten. "Wir haben sogar vierzehn Babys gezeugt in diesem Jahr! Leider konnte ich aber keines unserer wunderschönen Embryos austragen!" Dabei steigt in mir ein quälender Verdacht hoch. "Ich habe meinen Wunsch ans Universum vielleicht falsch formuliert!?" Zusätzlich verknotet sich mein Magen. "Der Wunsch hätte heißen müssen: "Schwanger werden und ein gesundes Baby zur Welt bringen!", schießt es aus mir heraus. Mein Liebster wirft mir einen fragenden Blick zu, als hätte ich ihm vorgeschlagen, unser gespartes Geld in einen Ufo-Landeplatz zu investieren. Nach ein paar Sekunden scheint er zu verstehen und nickt.

Nach dem wir unsere Zettel für 2011 fertig gestellt (diesmal mit der richtigen Formulierung!) und ausgetauscht haben, steht am Abend noch das traditionelle Bleigießen an. So richtig glaube ich zwar nicht an die 3H (Horoskope, Hellseher und anderer Hokuspokus), aber ich habe das mulmige Gefühl, dass ich ohne Bleigießen eine Chance verpasse, mein Schicksal in die richtige Richtung zu stupsen. Meine Schwester Paff und ihr Freund Lippe sind auch dabei. Geduldig halten wir unsere Löffel mit den Bleifiguren über eine Kerze bis das Metall endlich bei 327,43 °C schmilzt. Lippe lässt sein flüssiges Blei zuerst in das kalte Wasser laufen und es bildet sich in einer Millisekunde ein Eiffelturm. Wir haben keinen Zweifel, dass dies bedeutet, dass er dieses Jahr noch in die Stadt der Liebe reisen wird. Der Blick meiner Schwester lässt keinen Zweifel daran, dass sie mit will!

Daraufhin formt Paff ihre Bleifigur in einen Kometen um, der wohl ihren kometenhaften, beruflichen Aufstieg in 2011 vorhersagt. Das erstarrte Blei von meinem Liebsten ähnelt dagegen einem alten Gewehr mit zwei Läufen und einer spitzen Ladeeinrichtung. Im Stillen hoffe ich, dass er mit dieser Flinte 2011 ins Schwarze trifft; von mir aus auch gerne zweimal! Jetzt bin ich dran. Weil ich nicht warten kann, bis die Kerze endlich ausreichend Hitze erzeugt hat, nehme ich noch ein Feuerzeug zur Hilfe. Endlich schmilzt meine Figur. Bevor ich den Löffelinhalt ins kalte Wasser schütte, halte ich kurz inne und konzentriere mich voll auf meinen Wunsch. "Universum", murmele ich in mich hinein, "ich möchte so gerne ein gesundes Kind zur Welt bringen. Bitte gib mir ein Zeichen, dass Du diesmal meinen Wunsch verstanden hast." Jetzt schaue ich wieder auf mein geschmolzenes Blei und kippe den Löffelinhalt vorsichtig in das Glas. Im ersten Moment erkenne ich die neue Form nicht richtig. Ist da überhaupt eine Figur? Mit meinen Fingern fummele ich aus dem kalten Wasserglas mein Ergebnis und das Omen für 2011 heraus. Jetzt erkenne ich, dass es sich um vier kleine Tröpfchen und einen großen Tropfen handelt. "Der große Tropfen muss die Eizelle sein, die es schafft!", denke ich, bin selig und strahle meine verdatterten Tischnachbarn wortlos und glücklich an.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Nachwort: Ein bisschen schwanger!

Es ist schon erstaunlich, wie sich ein Mensch immer wieder aufrappelt. So schlecht, wie nach dem negativen Ergebnis ist es mir seither nicht mehr gegangen. Der Zyklus, den ich beschrieben habe, war nicht der erste Versuch mit ICSI schwanger zu werden, sondern bereits meine zweite Hormonkur. Nach dem ich das Gelbkörperhormon abgesetzt hatte, bekam ich zwei Tage später meine Periode. Die Krämpfe waren etwas stärker als sonst. Wie ich es mir vorgenommen hatte, ging ich nocheinmal zum Arzt und dieser hatte auf meine tausend Fragen ein paar sehr erfreuliche Antworten.

Mein HCG-Wert war bei der Blutabnahme nicht Null, sondern 8. Das bedeuted, dass ich tatsächlich ein bisschen schwanger war. Ich habe mir also die spannenden Brüste nicht nur eingebildet und ein paar mal Zucken war sicher wirklich die Ausweitung der Gebärmutterschleimhaut. Auf die Frage, warum es dann nicht geklappt hat, schaute mein Doc mich nur mit seinem besorgtem Blick an und sagte:"Tja, das kann man wirklich nicht sagen. Diese Eizelle hat es eben nicht geschafft, aber wir sind auf dem richtigen Weg!" Ich war nach dieser Nachricht so glücklich, dass ich mich spontan entschlossen habe, die zwei schlafenden Embryos gleich im nächsten Zyklus aufzuwecken und einsetzen zu lassen. Sie sind jetzt, in diesem Moment, in mir und teilen sich hoffentlich gerade fröhlich.

Nachdem Transfer von einem prächtigen Neunzeller und einem auch sehr schönen Vierzeller, war ich so positiv und übermütig, dass mein Süßer und ich uns schon Namen überlegt haben! Zwei Namen! Wir haben uns nicht geeinigt. Wer bitte, nennt denn seinen Sohn heute "Lorenz"?

Wie man sieht, sind wir gerade wieder in den Kinderwunsch-Alpen, mit all seinen Höhen, Tiefen und Gradwanderungen. Wem es gerade auch so geht, dem wünsche ich alles Glück dieser Erde. Ich bin mir sicher: "Irgendwann klappt's!"

Eure Franka