Samstag, 30. Oktober 2010

Neuer Mut

Am Morgen des dreißigsten Zyklustages wache ich spät auf. Ich habe lange und tief geschlafen, fühle mich körperlich fit. Ich horche in mich herein, und frage wie es meinem Herzchen geht, aber ich bekomme noch keine Antwort. Es ist wohl noch zu früh an diesem Morgen. Na gut, dann gehe ich erstmal ins Bad. Als ich in den Spiegel schaue, sehe ich eine blasse Franka mit geschwollenen Tränensäcken. Na, Mahlzeit! Wer will das denn sehen? Während ich spezielles Anti-Aging-Gel auf meine Augenpartie tupfe, merke ich den leichten Kopfschmerz, der im Nacken beginnt und sich quer über meinen Hinterkopf zur Stirn zieht. Genüsslich drehe ich mich zu meinem Medizinschrank, nehme mir eine Kopfschmerztablette heraus und schlucke sie mit einem kleinen Schluck Wasser aber großer Genugtuung herunter. Es hat auch Vorteile, wenn man nicht schwanger ist!

Als ich meine Kaffeemaschine anschmeiße, um mir eine große Tasse starken und koffeeinhaltigen Kaffee zu brauen, redet endlich mein Herz mit mir. Es hat zwar auch noch geschwollene Augen, aber es hat Frieden geschlossen mit dem Ergebnis. Alle negativen Gedanken hat es gestern heraus geschrien; heute ist wieder Platz für etwas Optimismus. Es war schließlich nicht unser letzter Versuch, den die Krankenkasse unterstützt. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mir die Schwangerschaftsanzeichen alle nur eingebildet habe. Von den anderen Mädels aus den Foren, weiß ich, dass es einige Anläufe dauern kann, bis es klappt. Ich beschließe, noch mal zum Arzt zu gehen, wenn meine Periode einsetzt. Ich habe so viele Fragen, die nur er mir beantworten kann.

Das Einzige, was der Arzt mir nicht abnehmen kann, ist meine Einsamkeit. Dieser Gedanke versetzt meinem Herz noch mal einen Stich und mein Magen verknotet sich. Ich nehme mein Tagebuch heraus und beginne meine Gefühle von gestern aufzuschreiben. Seitdem ich denken kann, hilft mir das Schreiben die Dinge klarer zu sehen. Wenn ich aufschreiben will, was mich bedrückt, dann muss ich die Themen erstmal sortieren, strukturieren, die richtigen Worte und eigenen Argumente finden. Wenn meine Ängste, mein Zorn oder meine Traurigkeit dann dort schwarz auf weiß stehen, liegen sie mir nicht mehr so schwer auf dem Herzen. Es ist so, als hätte ich sie auf einer externen Festplatte gespeichert.

Ohne den düsteren Gefühlsnebel von gestern, versuche ich vernünftig darüber nachzudenken, was ich machen könnte, wenn wir wirklich keine Kinder bekommen. Auf einmal schießt der Gedanke durch meinen Kopf, der mein Leben verändern wird. Natürlich! Ich werde schreiben. Ich werde über das Thema Kinderwunsch schreiben, aber nicht in mein Tagebuch, sondern in einen Internet-Blog. Er könnte allen Frauen, die in der selben Lage stecken, helfen, besser durch diese emotionale Zeit zu kommen. Ich werde ein Facebook-Profil anlegen und wahrscheinlich viele Leute kennen lernen, die sich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigen. Dann wäre ich nicht mehr so allein. Und wer weiß, wenn die Menschen meine Texte mögen, vielleicht schmeiß' ich dann meinen Job hin und werde Schriftstellerin!

Elektrisiert von der Idee stürze ich an meinen Computer und lege einen kostenlosen Blog bei einem großen Suchmaschinenanbieter an. Wie könnte der Blog heißen? Ich denke, "Nicht schwanger!" wäre passend. Ich beginne zu schreiben.

Ende.

Kommentare:

  1. du bist nicht allein! ...und vielen dank das du über deine gefühle geschrieben hast!

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  2. Liebe Franka,
    vielen Dank für Deine Texte! All das wollte ich genau so mal erfahren, aus der persönlichen Sicht. Es hilft mir sehr mich zu sortieren und zu entscheiden.
    Dazu hast Du so einen wunderbaren Schreibstil, dass ich mit Lesen einfach nicht mehr aufhören konnte! So oder so, kann ich mir eine zusätzliche Karriere als Schriftstellerin bei Dir sehr gut vorstellen! :-D
    Die allerbesten Grüße!

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  3. danke franka fruchtig, du hast meinen geist und meine seel berührt mit deiner ehrlichkeit. bin 37und set 3 jahren dran und ehrlich gesagt - verzweifelt. alles liebe - karin

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