Heute ist Donnerstag, der 26te Zyklustag. Meine Periode hat zum Glück noch nicht eingesetzt, wie am Montag befürchtet. Diese Woche arbeite ich an den Vorbereitungen für Ägypten. Die Präsentationen sind fast fertig; nur mein Chef muss sie noch absegnen. Aus dem Ägypten-Reiseführer und dem Internet weiß ich die wichtigsten Dinge über Klima, Politik, Wirtschaft und Kultur. Es wird trocken-warm, die Revolution findet momentan auf dem Tahir-Platz statt und man sollte dort nicht hingehen, neben der Landwirtschaft verstärkt sich in den letzten Jahren der Tourismus und den konservativen Ägyptern gefällt das gar nicht, Männer können bis zu vier Frauen haben.
Früher fand ich es ungerecht, dass ein Mann in anderen Ländern mit mehreren Frauen Sex haben darf und eine Frau nicht. Mit unerfülltem Kinderwunsch bekommt dies eine neue Dimension: Kann eine Frau keine Kinder bekommen, nimmt der Mann sich einfach noch eine Frau dazu. Das ist praktisch und auch viel günstiger als eine unwürdige Kinderwunschbehandlung. Außerdem leben in Ägypten alle Frauen und deren Kinder unter einem Dach. Von wem welche Kinder sind, ist hinterher gar nicht so wichtig. Jeder kümmert sich um jeden. Das finde ich wiederum toll. So endet eine unfruchtbare Ägyptische Frau nicht einsam mit "Essen auf Rädern" in "betreutem Wohnen".
Am meisten beunruhigt mich die Tatsache, dass ich am Sonntag ausreichend Medikamente und Spritzen in gekühltem Zustand nach Ägypten transportieren muss. Wie stelle ich es an, die empfindlichen Hormone bei durchschnittlich 28,3 Grad Celsius (im Schatten!) bis in den Minibar-Kühlschrank des Hotels in Kairo zu bringen?
Im Moment schlummern die Medikamente im Kühlschrank in unserer Küche. Damit sie nicht zufällig entdeckt werden, habe ich sie in einer Plastiktüte ins Gemüsefach gelegt. Wie eine Leiche die man im Keller vergräbt. Als letztens eine Freundin zum Frühstück bei uns war, habe ich noch ein paar Karotten als zusätzliche Tarnung auf die Tüte gelegt. Nicht, dass sie auf die Idee kommt, es befinden sich vielleicht noch leckere Aufstriche im Gemüsefach! Die restlichen Medikamente liegen in meinem Kleiderschrank hinter einem Stapel T-Shirts die ich nur selten anziehe. So muss sich ein Alkoholiker fühlen, der seinen Flachmann zu Hause vor seinem Partner verbirgt. Dieses Versteckspiel in den eigenen vier Wänden versaut irgendwie "Das Chi".
Fortsetzung: Hormone on Tour.