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Dienstag, 5. Juli 2011

Das unerwartete Angebot

"Frau Fruchtig es gibt am 25. Juli einen Termin bei unser Tochterfirma in Kairo, ich hätte gerne, dass Sie den Termin wahrnehmen. Wäre das möglich?"
"Ja, natürlich." schießt es aus meinem nickenden Gesicht. Sonst schickt er mich nach Hintertupfingen und nach JDW; dieses Reise-Schmankerl, das er mir gerade anbietet, ist normalerweise Chefsache.
"Gut, vielen Dank. Am 25. Juli ist nämlich mein fünfter Hochzeitstag."
"Aha. Glückwunsch."
"Dann mache ich den Termin fest."
Beim "Ja, gern." dämmert mir bereits Schlimmes.
"Schön." sagt er im Umdrehen und geht mit zufriedenen klappernden Schuhsohlen zurück in sein Büro.
Sofort öffne ich per Doppelklick den Behandlungplan von Dr. Kaiser. "Hoffentlich, ist der Termin noch vor der Hormonbehandlung."
Viel zu langsam startet das Programm, von dem ich hoffe, dass es mir meine Befürchtungen nimmt. Endlich, sehe ich den Plan vor mir. Mit dem zweiten Zyklustag beginnt die Hormonbehandlung und das vorraussichtliche Datum ist der ...
... Mist!! Montag, der 25. Juli.

Tausend Gedanken rasen mir durch den Kopf. "Vielleicht bekomme ich meine Periode später? Nein, sie kommt immer pünktlich. Ich muss meinem Chef wieder absagen! Aber die schöne Reise nach Kairo. Er sagte nicht Würselen*, sondern Kairo!! Ich war noch nie in Ägypten. Pyramiden? Bei so einer Reise bekommt man so viele Flugmeilen, dass man davon einen Prämienflug buchen kann. Und einen Flug nach Wien brauche ich ja auch noch. He, Franka. Jetzt nimm Dich mal zusammen! Was ist wichtig für Dich? Diese blöde Reise oder ein gesundes Kind zur Welt zu bringen? Geh' zu Deinem Chef und sag die Reise ab! Aber diese Reise ist auch ein Vertrauensbeweis von meinem Chef. Auf so etwas warte ich seit Monaten. Und vielleicht ist es gar kein Problem, die Hormonbehandlung in Kairo zu beginnen?.." Mein Wille dreht sich noch einige Minuten orientierungslos im Kreis weiter.

Als kleines Ablenkungsmanöver durchforste ich meinen Kalender nach Eintragungen, die außer dieser Dienstreise eine reibungslose Kinderwunschbehandlung gefährden könnten. Eine Geburtstagsparty bei einer Freundin in Dingsda sage ich ab. Ich habe mir vorgenommen, vor und während der Hormonbehandlung keinen Alkohol zu trinken. Ein "Nein Danke!" heute ist einfacher als zwanzig "Nein Danke!" zu köstlichem Aperol-Spritz am Partyabend. Meinen Sportkurs sage ich für nach dem berechneten Transfertermin ab. Meinen Mädelsstammtisch jeden zweiten Mittwoch sage ich auch schonmal ab und die Rhein-Tour** mit Noerds Freunden sowieso.

Ich fühle mich schon besser, aber mein eigentliches Problem ist noch da. Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich? Soll ich nicht? Arghh. Ich werde einmal drüber schlafen, mit Noerd in Ruhe sprechen und morgen früh den Fachmann, Dr. Kaiser, fragen. Froh darüber, wenigstens einen vernünftigen Entscheidungsfindungs-Plan zu haben, kann ich endlich weiterarbeiten. Mein Kinderwunsch hat meine Firma mal eben wieder 30 Minuten Leerlauf gekostet. Mahlzeit!


*Entschuldigt bitte, liebe Würselen-Fans und Beheimateten.
** Rhein-Tour = In jede Kneipe mal 'rein', ein Bierchen trinken und schau'n was passiert.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Rauchen Sie?

Diese Frage stellte uns die Ärztin im ersten Beratungsgespräch in der Kinderwunschklinik. Ich verneinte die Frage. Zwar hatte ich früher hier und da mal eine Zigarette geraucht, aber eine eigene Packung hätte ich mir nie gekauft. Meist schnorrte ich mir eine Zigarette von irgendwem, nachdem ich bereits einen Wein oder ein Bier getrunken hatte. Mit einem leichten Schwips schmecken Zigaretten eben. Als wir begannen aktiv für unseren Kinderwunsch zu ‚üben’, war es für mich kein Problem auch diese paar Zigaretten wegzulassen.

Jetzt schaute die Ärztin meinen Partner eindringlich an. „Und rauchen Sie?“ Sein Gesichts bekam schlagartig einen Ausdruck, als hätte man ihn beim Kavaliersdelikt in flagranti erwischt. „Ja.“ antwortete er dennoch selbstbewusst. Die Ärztin reagierte darauf mit bestimmendem Ton: „Wenn Sie irgend etwas dazu beitragen möchten, dass sich Ihr Kinderwunsch erfüllt, dann hören Sie damit auf.“ „Puh, das hat gesessen“, dachte ich. Im Stillen freute ich mich, dass endlich jemand die Sache einmal so klar ausdrückt. Natürlich, ich hatte schon mal versucht das Thema anzusprechen, aber wer könnte mehr Glaubhaftigkeit und Kompetenz versprühen, als eine Ärztin der Kinderwunschklinik?

Abends zu Hause kämpfte ich mit mir, ob ich das Thema Rauchen noch mal offen ansprechen sollte. Schließlich hatte die Ärztin mir eine Vorlage dazu geliefert. Auf der anderen Seite haderte ich. Unsere Beziehung ist in einem sehr guten Zustand, weil wir uns gegenseitig keine Vorschriften machen. Das sollte auch so bleiben aber ein unerfüllter Kinderwunsch geht eben auch mich etwas an. Ich musste noch mal nachhaken solange das Thema heiß war! Also gab ich mir einen Ruck. „Willst du denn jetzt aufhören zu rauchen?“ stolperte es aus mir raus. Ein paar Sekunden später war ich fassungslos, denn seine Antwort war: „Nein“.

Stille.

„Wie bitte?“ dachte ich. „Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich rauche.“ fügte er nach einer kurzen Sprechpause noch hinzu. „Das ist ja wohl unglaublich!“ brodelte es in mir, aber ich sagte nichts. Was würde es helfen, wenn ich jetzt logische Argumente gegen so eine völlig unlogische Aussage bringen würde? Als ich meine innere Contenance wiedergefunden hatte, sagte ich abschließend „Wenn die Ärztin einer Kinderwunschklinik sagt, dass Rauchen einer der Hauptgründe für schlechte Spermaqualität ist, dann wird das schon stimmen.“ Innerlich dachte ich: „Ich pumpe meinen Körper bald mit Hormonen voll, gehe körperliche und seelische Risiken ein - vergrößerte Eierstöcke, Thrombosegefahr, Narkoserisiko, Depressionen - um nur ein paar zu nennen - und Du machst einfach NICHTS!?“ Ich beendete den Abend innerlich aufgewühlt. Nach diesem Gespräch sollte das Thema Rauchen erstmal ein paar Wochen ruhen.

Fortsetzung folgt

P.S. Bitte schreibt doch in das Kommentarfeld welche Ausreden Euch schon begegnet sind. Eure Franka