Der Kinotag beginnt mit Frühstück und der Hormonspritze aus dem Kühlschrank. Der Kaffee aus meiner George-Clooney-Maschine duftet herrlich und draußen scheint die Sonne. Es geht mir gut an meinem zwölften Zyklustag! Natürlich merke ich, dass meine Eierstöcke angestrengt arbeiten. Ich habe das Gefühl dreizehn Glasmurmeln in meinen Unterbauch durch die Gegend zu schaukeln.
Nachdem ich meinen Arbeitsplatz und mich selbst auf Vordermann gebracht habe, treffe ich mich mit Freunden. Erst wollen wir eine Kleinigkeit Essen gehen und danach in den neuen Todd Philips Film "Stichtag". Meine Eisprung-auslösende Spritze habe ich in der Handtasche. Ich kann mich weder auf das Essen noch auf die Tischunterhaltung konzentrieren, weil ich immer noch keinen Plan habe, wie ich mir um Punkt 21:30 Uhr die Spritze setzen könnte. Schaffe ich es unbemerkt im dunklen Kino? Fakt ist, dass um diese Zeit der Film noch läuft.
Ich entschließe mich vor dem Film dazu, die Spritze auf der Kinotoilette schon mal zusammen zumischen, so kann ich Zeit gewinnen. Wir haben die besten Plätze reserviert, von denen man mittig auf die Leinwand schaut. Für das Setzen einer Spritze ist das denkbar schlecht. Wollte ich die Spritze auf der Toilette setzen, müsste ich die ganze Reihe aufscheuchen - wohlmöglich noch mit der Spritze in der Hand. Die Vorstellung davon schreckt mich ab und ich erwäge, sie vielleicht doch am Platz zu spritzen. Aber ohne Licht? Wie finde ich so die richtige Stelle? Und wie bitte mache ich mir unbemerkt am Platz die Hose auf? Der neue, komplizierte Teil meines Lebens ärgert mich jetzt und ich wünsche mir in diesem Augenblick einfach zu Hause geblieben zu sein.
Als der Film beginnt, lege ich die vorbereitete Spritze unter meinen Sitz, so dass niemand darauf treten kann. Um Punkt 21:30 knöpfe ich meine Jeans auf, drehe mich schnell auf die Seite, leuchte mir kurz mit meinen Handy auf den Bauch, desinfiziere, hole die Spritze vom Boden, piekse mich kurzentschlossen in die keimfreie Bauchfalte und drücke ab. Donnerlittchen! Der Eisprung kann kommen. Ich traue mich nicht mich umzuschauen. Das wäre zu auffällig. Ich starre einige Minuten geistesabwesend auf die Leinwand, bis sich mein Puls wieder beruhigt.
Den Film habe ich irgendwie nicht verstanden. Er soll lustig gewesen sein.
(Fortsetzung: PU-1)
