Dieser Blog ist von einer Nichtschwangeren für Nichtschwangere zum - selbstverständlich - anonymen Austausch. In den letzten Jahren habe ich so viele werbeverseuchte Foren durchstöbert und versucht aus den unleserlichen Einträgen ein paar Antworten auf meine tausend Fragen zu bekommen. Ein Geduldsspiel! Weil ich weiß, dass es Euch auch so geht, ist dieser Blog der Versuch meine und Eure Erfahrungen ein wenig leserlicher aufzuarbeiten.Sonntag, 2. Oktober 2011
Jedes fünfte Paar!
Dieser Blog ist von einer Nichtschwangeren für Nichtschwangere zum - selbstverständlich - anonymen Austausch. In den letzten Jahren habe ich so viele werbeverseuchte Foren durchstöbert und versucht aus den unleserlichen Einträgen ein paar Antworten auf meine tausend Fragen zu bekommen. Ein Geduldsspiel! Weil ich weiß, dass es Euch auch so geht, ist dieser Blog der Versuch meine und Eure Erfahrungen ein wenig leserlicher aufzuarbeiten.Freitag, 10. Juni 2011
Land der Berge, Land der Babys
Sonntag, 13. Februar 2011
Ei-Frei
“Bei der letzten ICSI-Behandlung habe ich mich am Tag nach der Punktion beraubt gefühlt.” beginne ich.
“Diese Mal ist es ganz anders. Ich empfinde es als Entlastung. Ich habe die Verantwortung abgegeben. Ich kann heute tun und lassen was ich will. Ich habe 'Ei-frei'!” sprudelt es fröhlich aus mir heraus.
“Na, wie wäre es dann später mir einem schönen langen Spaziergang durch die Sonne?” schlägt Noerd unternehmungslustig vor.
“Sehr gute Idee. Am Abend könnten wir etwas leckeres kochen und ich trinke ein Glas Wein dazu.” spinne ich den Tag weiter.
“Vielleicht wird es das letzte Glas Wein für eine lange Zeit.” füge ich noch hinzu und verdrehe verschwörerisch die Augen.
“Jetzt im Moment liegt eine Eizelle von mir verschmolzen mit einem Spermium von Dir im Brutschrank.”, sage ich und kuschele mich noch enger an Noerd.
”Den Gedanken allein finde ich schon irre schön.” füge ich noch hinzu. Noerd dreht sein Gesicht zu mir und lächelt mich an.
“Na, ich denke, dass da mehrere von der Sorte herumliegen.” antwortet Noerd nach einer Weile und schaut dann wieder an die Zimmerdecke.
“Also von zehn Eizellen könnten vielleicht fünf reif sein. Maximal sechs bis sieben. Aber ich gehe eher von weniger aus.”, gebe ich zurück.
“Sicher werden es nicht viel mehr als drei Embryos.” schließe ich die Wahrscheinlichkeitsrechnung ab und hoffe auf einmal, dass es überhaupt drei Embryos werden. Ein kleiner Kummerknoten schnürt sich in der Gegend meines Magens zusammen. Zum Glück findet mein Liebster in diesen Momenten immer die richtigen Worte:
“Wir sollten ein Bild an die Schlafzimmerdecke hängen.”, sagt er und lächelt mich an.
Es wurde ein wunderschöner Sonntag.
Fortsetzung
* Germanischer Gott der Schifffahrt, des Reichtums und der Fruchtbarkeit.
Samstag, 5. Februar 2011
Panik
Es ist zwei Uhr morgens in der Nacht vom vierten auf den fünften Zyklustag. Ich wache mit einem Unwohlsein auf. Irgendetwas stimmt nicht. „Vielleicht reagiere ich schlecht auf die Medikamente“ überlege ich lautlos, während mein Adrenalinspiegel steigt. „Ich habe zwei unterschiedliche Hormonpräparate und fast eine doppelte Dosis bei dieser Behandlung verschrieben bekommen. Vielleicht ist das für meinen Körper einfach zu viel? Oder vielleicht vertrage ich die beiden Hormone in Kombination nicht gut?“ Mir wird ganz heiß bei diesen Gedanken, ich fange an zu schwitzen und schlage die Bettdecke etwas zurück.
Jetzt spüre ich einen drückenden Schmerz in der Nähe meines Herzens. „Das ist nicht gut!“, rast es mir durch den Kopf. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass Menschen vor einem Herzinfarkt kein Stechen, sondern ein Drücken am Herzen fühlen. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal so ein Drücken gespürt zu haben. Angst steigt in mir auf. Ich spüre das deutliche Pochen meines Herzens und durch meine düsteren Gedanken wird es immer lauter. Als ich merke, dass meine Atmung hektisch wird, schlage ich die Augen auf, richte mich etwas auf und schaue nach links. Mein Süßer liegt neben mir und schläft ruhig. Ich überlege, ob ich ihn wecken soll, entscheide mich aber dagegen.
Im letzten Jahr hatte ich zum ersten Mal eine Panikattacke. Es passierte kurz nach dem ich das negative Ergebnis unserer ersten ICSI mitgeteilt bekommen hatte. Ausgerechnet in dieser Nacht hatte ich bei einer Freundin geschlafen. Ich wachte auf, fühlte ein Kribbeln in Armen und Beinen das immer stärker wurde und bekam Angst. Durch die Angst stieg mein Blutdruck und das Kribbeln wurde noch schlimmer. In dieser Spirale bekam ich Todesangst, weckte meine Freundin und ließ den Notarzt rufen. Der Arzt stellte einen Blutdruck von 185 fest und einen zu niedrigen Kaliumwert im Blut, das vom zu häufigen, tiefen Atmen kam. Er gab mir eine Schlaf- bzw. Beruhigungstablette und tatsächlich wurde ich ruhiger und wieder müde. Er fragte mich, ob ich seelische Probleme hätte und empfahl mir mal mit einem Psychiater zu sprechen. Diese Sitzung lässt bis heute auf sich warten.
Mittlerweise sitze ich aufrecht im Bett. Es wird mir klar, dass ich wieder eine Panikattacke habe. Es könnte also sein, dass meine Beschwerden von meiner Angst kommen. Wenn ich es schaffe, mich selbst auf anderen Gedanken zu bringen, kann ich dann weiterschlafen? Kann Engelchen dem Täufelchen die Tour vermasseln? Kann mein Verstand gegen meine Angst siegen? Ich muss es versuchen. Zunächst konzentriere ich mich auf meine Atmung und versuche ein paar Minuten kontrolliert und langsam in den Bauch zu atmen. Dann greift meine Hand automatisch zu meinem Telefon.
Neuerdings kann ich meinen Blog und Facebook auch von meinem Telefon aus abrufen. Die Vodafone Mobile Flat macht's möglich. Ein paar von Euch haben an meine Pinnwand geschrieben und meine Statistikseite zeigt unglaubliche 13.000 Seitenaufrufe an. Es gibt ein paar neue Kommentare auf meinem Blog, die mich aufmuntern und die ich nacheinander verschlinge. Ein Eintrag gefällt mir besonders:"... ich bin froh, dass es jemand gibt, der mir aus dem Herzen spricht. Man fühlt sich nicht mehr so einsam." Nach zwanzig Minuten lege ich mein Telefon zur Seite. "Ich muss auch über meine Panikattacke schreiben." In Gedanken an die ersten Formulierungen schlafe ich ein. Engelchen hat gesiegt!
Mittwoch, 2. Februar 2011
Der letzte Versuch
Stopp! Versuche ich gerade darüber nachzudenken, was ich machen könnte, wenn dieser Versuch nicht klappt? Was ist denn das für eine Einstellung? Was für ein negatives Karma? Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass der Körper dem Gehirn und seinen Gedanken folgt. Wenn ich denke: "Ich müsste eigentlich weniger Süßigkeiten essen.", dann versteht mein Gehirn nur "müsste" und "eigentlich" und das ist so unverbindlich, dass mein Gehirn den Gedanken ablegt, als hätte er nichts mit mir zu tun. Wenn ich aber sage: "Ich werde ab sofort keine Süßigkeiten mehr essen." dann ist das so klar und konkret, dass mein Gehirn etwas damit anfangen kann.
Also. Ich muss mich konzentrieren. Was will ich? Was sage ich meinem Hirn und damit meinem Körper?
So, jetzt hab ich's: "Dieses mal klappt's!"
Schon besser!
Heute ist der zweite Zyklustag. Gestern hat meine Blutung eingesetzt. Ich war fünf Tage überfällig und hatte auf ein Wunder gehofft. Der letzte Monat war fremdhormonfrei. Wir hatten es einfach zur richtigen Zeit noch mal auf natürliche Weise probiert. Sogar zwei Mal! Als die Regel dann tatsächlich zwei Tage ausblieb, war ich aufgeregt und machte einen Schwangerschaftstest. Wie immer in meinem Leben, zeigte das Teststäbchen auch dieses mal wieder "nicht schwanger" an. Allerdings zum ersten mal auf einer Digitalanzeige! Toll? In der Gebrauchsanweisung steht, das weiß ich auswendig, dass man einfach zwei bis drei Tage später noch mal einen Test machen soll. Am Morgen des fünften Tages, also gestern, als ich schon einen neuen Schwangerschaftstest bereitgelegt hatte, setzte dann doch die Blutung ein. Abgeklärt und routiniert machte ich mir daraufhin einen Termin in der Kinderwunschklinik für den ersten Ultraschall.
Ich bekam einen Termin für den nächsten Tag um 18:30 Uhr abends. Eine ungewöhnliche Zeit, denn sonst gehe ich immer morgens vor der Arbeit hin. Als mein Mann die Uhrzeit des Termins hörte, sagte er spontan: "Soll ich mitkommen?" "Klar, gerne!" antwortete ich ihm und freute mich darüber, dass er den Vorschlag gemacht hatte.
So fand ich mich also heute - untenherum nackt - auf den Gynäkologenstuhl wieder, mit zwei Männern meines Vertrauens im Raum. Der eine tastete geschickt mit dem Ultraschallstab meine Eierstöcke ab. Der andere klebte mit seinen Augen fasziniert auf den Schwarz-Weiß-Fernsehbildern meines Gebärapparats. Mein netter Arzt befand alles für in Ordnung. Am linken Eierstock sah man deutlich, dass dort ein paar Follikel auf ein stimulierendes Hormon warteten, an keinem der beiden Eierstöcke waren Zysten zu sehen und die Gebärmutterschleimhaut hatte sich "schön" abgebaut. Also drückte er mir ein Hormonrezept in die Hand sowie meinen Behandlungsplan und ganz plötzlich war ich wieder mitten drin in einer ICSI-Behandlung...
Als wir das Behandlungszimmer verließen, sagte mein Süßer nur: "Das nächste Mal schau ich aber da unten wieder nach dem Rechten!" und hatte den Gesichtsausdruck von einem Tennisprofi, dem der Schiedsrichter gerade kurz den Ball weggenommen hatte.
Fortsetzung