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Donnerstag, 7. Juli 2011

Die Kinderwunsch-Zwangsjacke

Kennt Ihr dieses Gefühl, es satt zu haben, sein ganzes Leben nach dem Kinderwunsch auszurichten? Wir können keinen Urlaub planen, weil ich Flugreisen während der Schwangerschaft vermeiden will. Ich kann die Einladung zum Weinfest bei Freunden nicht annehmen, weil ich nicht auf ein Weinfest gehen würde, wenn ich schwanger wäre. Wir können mit unserem gesparten Geld, keine Anschaffungen machen, weil wir nicht wissen, ob wir noch weitere Versuche finanzieren müssen. Ich kaufe mir keine neuen Kleidungstücke mehr, weil sie mir nicht mehr passen, wenn ich schwanger bin. Ich akzeptiere die Arbeitsbedingungen meiner Firma ohnmächtig, weil mir eine neue Stelle zusammen mit einer Kinderwunschbehandlung zu aufregend wird.

Heute hatte ich mal keine Lust auf die Kinderwunsch-Zwangsjacke. Ich habe mich für die Dienstreise nach Kairo entschieden. Das tat ich bereits vor dem Gespräch mit Noerd und Dr. Kaiser. Die beiden wichtigsten Männer in meinem Leben hatten zum Glück auch keine Einwände. Dr. Kaiser meinte nur, dass ich meine Reisen so planen soll, dass mir die Fruchtblase nicht im Flugzeug platzt. Noerd hat sich für mich gefreut und mir geraten mir auch die Pyramiden zu besuchen. Ich hab' Euch lieb, Jungs!

Als ich den 24., 25. und 26. Juli 2011 in meinem Firmen-Kalender als "out-of-office" eintrage, fällt mir ein, dass ich dringend auch meinen Wien-Urlaub beantragen muss. Aber von wann bis wann? Die genauen Daten weiß ich leider erst, wenn meine Periode einsetzt. Das ist meist nach 26 bis 28 Tagen. Ich stelle mir das Gesicht meines Chef's vor, wenn ich ihm sage: "Ich hätte gerne ungefähr vom 1. oder 3. August bis zum 9. oder 11. August Urlaub. Geht das?" Seine Fragen, die darauf folgen, möchte ich erst recht nicht beantworten. Ich entscheide mich notgedrungen zwei ganze Wochen Urlaub zu nehmen, also vom 1. bis 12. August. Was für eine Verschwendung!

Nachdem ich meinen Urlaubsantrag ausgefüllt habe, bestelle ich mir im Internet den Kultur(-schock)führer für Ägypten. Die Stellung der Frau in Ägypten interessiert mich und ist für das Geschäftstreffen sicher lebenswichtig. Auf der Web-Seite des Auswärtigen Amts informiere ich mich über die Sicherheit in Ägypten. Seit dem Sturz von Mubarak im Januar ist es ruhiger im Land. Gut! Zufällig entdecke ich, dass die Pyramiden in einem Stadtteil von Kairo stehen. Ich dachte immer, man müsste ein paar Tage auf Kamelen durch die Wüste reiten, um sie zu sehen. Dann kann ich mir dieses Weltwunder ja wirklich ansehen! Das Reisefieber hat mich gepackt. Juhu, es gibt mein Leben - trotz Kinderwunsch - noch!

Fortsetzung: Embryonenschutzgesetz-Dynamit

Dienstag, 26. Oktober 2010

Franka und das Klo

Der sechsundzwanzigsten Zyklustag besteht hauptsächlich aus Klobesuchen. Ich habe Panik, dass heute meine Blutung einsetzt. Meine kürzesten Zyklen dauern sechsundzwanzig Tage, daher die Aufregung. Kurz nach dem Aufstehen meine ich zu spüren, dass Blut in meine Unterhose läuft. Ich stürze zur Toilette und schaue nach. Weil es nur das vaginal eingeführte Gelbkörperhormon ist, von dem ein wenig in meine Slipeinlage gelaufen ist, bin ich kurzzeitig beruhigt. Aber ein schlechtes Gefühl bleibt.

Am Mittag schließlich der Schock. Als ich mir nach einem kleinen Geschäft den Po abputze, habe frisches Blut im Klopapier. Ich nehme das zur Kenntnis, aber die eigentliche Information ist in meinem Hirn noch nicht angekommen. Ich blute, das heißt, ich bin nicht schwanger! Immer wieder putze ich mir den Po ab. Ja, da ist Blut. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Traurige und wütende Gedanken lassen die Klobrille erbeben. So schnell kann der Traum vom Wunschkind zerplatzen und auch noch an einem so nüchternen Ort wie der Firmentoilette.

Langsam und noch während ich sitze, sammeln sich meine Gedanken wieder. Moment mal, warum ist da eigentlich frisches Blut. So fängt doch keine Periode an! Ich sitze immer noch mit heruntergelassener Hose auf der Toilette und prüfe jetzt sorgfältig wo das Blut herkommt. Dann muss ich lachen. Ich habe mir an meinem sechsundzwanzigsten Zyklustag so oft den Po abgeputzt, dass ich mir offenbar eine kleine Wunde zugezogen habe.

Der Nachmittag wird ein wenig entspannter und als ich Feierabend mache, bin ich davon überzeugt, dass ich meine Periode heute nicht mehr bekomme. Der Abend ist mit einer Freundin verplant. Wir wollen etwas zusammen kochen. Das Treffen wird lecker und heiter und so bin ich glücklicherweise ein paar Stunden abgelenkt. Als ich mich ins Bett lege, drehe ich mich demonstrativ auf den Bauch, um nochmal dieses ganz klare Brustspannen zu fühlen. Es ist weg. Komisch.