Donnerstag, 3. Februar 2011

Pharmazeutisches Freudenhaus

Am Morgen des dritten Zyklustages stehe ich in der Apotheke mit der stratisch guten Lage gegenüber der Kinderwunschklinik. Die Apothekerin grüßt mich freundlich und ich grüße freundlich zurück. Dann schiebe ich ihr wortlos mein Rezept über die Theke. Was soll ich auch sagen? Glücksbringer StorchWenn sie sieht, was auf meinem Rezept steht, weiß sie sowieso alles über mich. Während sie meine Hormonpräparate zusammensucht, schaue ich mich um. Neben mir wird eine andere Kinderwunsch-Patientin bedient. Ich erkenne es daran, weil sie die gleichen Hormonpackungen bekommt wie ich. Es ist ihr erster Versuch, denn als die Apothekerin sie fragt, ob sie schon den Glücksbringer hat, den hier alle Damen von gegenüber beim ersten Großeinkauf bekommen, verneint sie.

Einen Moment lang denke ich, ich sollte sie ansprechen. Es könnte eine von Euch sein, eine meiner treuen Leserinnen oder einfach eine Frau, die jemand zum Reden braucht, wie ich. Ich kam nicht dazu eine Apotheken-Freundschaften zu schließen, denn die Rechnung, die ich für meine Hormone präsentiert bekam, holte mich unsanft aus meinem Tagtraum zurück. Ich kontrollierte die Rechnung, aber der Betrag stimmte. Mein Doktor hatte zwar am Vortag mit mir besprochen, dass ich bei diesem Versuch zwei verschiedene Hormone und auch eine höhere Dosis bekommen soll, dass dies jedoch auch eine höhere Dosis Kapitaleinlage bedeutete, wurde mir erst in diesem Moment klar. Ich schluckte und schaute die Apothekerin nur an.

Um die starre Situation aufzulockern, schenkte sie mir ein Wärmekissen und mehrere Probierpackungen Biogummibärchen, denn den Glücksbringer hatte ich ja schon. Sie hatte wohl Erfahrung auf diesem Gebiet. Die Geschenke schütteten ein paar Glückhormone in meinem Hirn aus (ganz umsonst!) und beruhigten mich. "Bei diesem Betrag müssten doch eigentlich noch ein paar Proben teurer Augenfaltencremes drin sein", dachte ich, zahlte aber schließlich und verließ arm das pharmazeutische Freudenhaus.

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Kommentare:

  1. Ja, Kinder sind teuer... Sogar schon in der Anschaffung. Hoffentlich lohnt sich der Kostenaufwand ;-)

    toitoitoi

    Evi

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  2. Ich kann es mir immer noch nicht erklären warum diese Medikamente soooooooooo übetrieben teuer sind? Oder warum die Krankenkassen seit 2004 nicht mehr die vollen 100% zahlen? Nein es reicht nicht das man sich schon mit dem Psychologischen und Körperlichen strapazen der Kinderwunschbehandlung auseinandersetzen muss! Man muss sich natürlich auch über das Finanzielle sorgen machen, damit alles umso schwieriger wird. Warum soll man es diesen Menschen den einfacher machen? Die haben eh schon eine "Niete" gezogen, also muss man denen natürlich noch einen drauflegen. Eine ICSI Behandlung die zur hälfte von der Krankenkasse bezuschusst wird, kostet mich das ANDERTHALBFACHE meines Nettomonatslohns!! Sollen sich dann halt nur die "Reichen" bzw. "sehr gut Verdiener" ein Kind leiesten? Und die anderen, die kein Geld haben oder nie soviel Geld zusammenbekommen werden, sollen die keine Kinder bekommen?
    Lieben Gruß..... von einer die gerade versucht das Geld für eine ICSI zusammenzukratzen...

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  3. und wir haben nie nur auch eine Packung taschentücher geschenkt bekommen.....

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