"Dann adoptieren wir eben", sagte Noerd nach dem letzten Versuch
in der Kinderwunsch-Klinik in Österreich.
Dieser Satz ist wie ein süßes Bonbon mit bitterem Beigeschmack.
Will ich das wirklich?
Kann ich ein Kind von einer fremden Frau und einem fremden Mann annehmen wie mein Eigenes?
Will ich die Strapazen der Kindererziehung auf mich nehmen, für ein Kind, dass nicht mein leibliches Kind ist? Wird das Kind mich jemals lieben wie seine leibliche Mutter?
Was wird es für ein Kind sein? Ein farbiges aus Äthiopien, ein rot-haariges oder schwarz-haariges, dem man gleich ansieht, dass es nicht mein Kind sein kann? Wie würde ich mich damit fühlen?
Und überhaupt: Kann ich den Wunsch ein leibliches Kind zu bekommen jemals wirklich loslassen?
Ich weiß es nicht!
Der einzige Ausweg scheint mir erstmal mehr darüber zu erfahren. Nach ein wenig Internet-Recherche ist klar, wir müssen uns beim Jugendamt unserer Stadt vorstellen. Dort bekommen wir Informationen über das Thema Adoption und können alle Fragen stellen, die uns auf dem Herzen liegen. Hört sich nach einem guten Start an. Ich wähle die Nummer vom Jugendamt...
"Rottenmeier!"
Ach du meine Güte, was ist das für ein Name.
"Franka Fruchtig, hier. Wir interessieren uns für Adoption. Sind wir bei Ihnen richtig?"
"Ja, Frau Fruchtig. Schön, dass Sie sich melden. Ich kann Ihnen einen Termin in drei Wochen anbieten, Dienstag um 10 Uhr bei mir im Büro."
Na, klar, beim Amt ist es wie beim Arzt ohne Privatversicherung - man muss mit Wartezeiten rechnen. Dass sich das noch viele Jahre so hinzieht, ahne ich zu dem Zeitpunkt nicht.
"Gut," sage ich, ohne zu wissen ob es für Noerd passt (es muss passen!) "wir kommen.", verabschiede mich und lege auf.
Und da ist es. Ein positives Gefühl. Neugier. Ein neuer Weg. Öffnet sich hier für unser Leben eine neue Tür? Ich kann es nicht erwarten Noerd am Abend von unserem Termin beim Jugendamt zu erzählen.
Fortsetzung <Renate Rottenmeier>
Donnerstag, 16. März 2017
Freitag, 21. September 2012
Ich bin eine Frau
Was war das wohl für ein Seminar,
nach dem ich mich wieder als begehrenswerte und vollwertige Frau fühle, obwohl
ich keine Kinder bekommen kann? Was mag das für ein Wochenende gewesen sein,
bei dem man tanzend den Tag beginnt? Bei dem man am dritten Tag, alle
Nackenverspannungen los ist. Drei wundervolle Tage nach dem man zum Feierabend
nicht mehr zu Bier oder Zigaretten greifen will, sondern sich lieber auf den
Boden setzt und bewusst atmet. Ich will jetzt Dinge für mich tun und nicht mehr
meine Energie für die Bedürfnisse anderer verschenken. Von einem Über-ich war
die Rede, dass man spöttisch in die Schranken weisen darf, wenn es von mir
verlangt alles besser und schneller zu machen oder dringend eine Diät zu
starten.
Es gab einen Moment in dem durfte
ich einfach nur da sein. So wie ich bin. Ich musste nichts tun oder sein, hatte
keine Anforderungen zu erfüllen. Ich lag auf dem Rücken und atmete tief ein.
Ein fremder Mann hielt meinen Kopf und lächelte mich dabei an. Dabei erfuhr ich
Glück, Geborgenheit, Freiheit, ja Wollust, sodass mir die Tränen über die
Wangen liefen.
Ich empfand diesen Mann vorher
als bedrohlich, denn er sagte mir, dass er mich sehr sympathisch findet und
mich gerne mal umarmen möchte. Ich stimmte zu aber ich fühlte mich unwohl.
Sekunden lang drückte er seine Brust gegen meinen Busen. Zu lang. „Was nimmt
der sich raus?“, dachte ich „der weiß doch, dass ich mit meinem Mann hier bin.“
Tatsächlich, darf dieser Mann mich jetzt jederzeit umarmen, so lange er will.
Ist das nicht verrückt? Ich habe diesen Mann nackt gesehen und so seine
Zartheit, Zerbrechlichkeit, Schönheit und Liebe erkannt. Es ist danach
unmöglich diesen Menschen abzuweisen. Im
Gegenteil, man zieht sich zu ihm hingezogen. Wer hätte von Euch bei dieser
Beschreibung an ein Tantra-Seminar gedacht?
Ich habe dieses Seminar Noerd zum
Geburtstag geschenkt, ohne zu wissen, was mich dabei erwartet. Er hat es
angenommen, ohne zu wissen, was ihn erwartet oder was ich von ihm erwarte. Was
habe ich denn eigentlich erwartet?
Wir haben jetzt fünf Jahre Sex
lang gehabt mit dem Ziel ein Kind zu bekommen. Dabei haben wir darauf geachtet,
dass er sein Sperma möglichst nah an meinen Gebärmuttermund schießt, ich dabei
möglichst auf dem Rücken liege, nach der Ejakulation möglichst noch ein wenig
liegen bleibe und das alles möglichst auf Kommando am 11., 12. und 13.
Zyklustag. Damit sollte Schluss sein. „Ein Tantra-Seminar könnte da neue
Impulse geben.“, hoffte ich und dachte an prickelnde Massagetechniken, die ich aus dem
Fernsehen kannte.
Entgegen aller Erwartungen, habe
ich Tantra als eine Lehre erfahren in der man sich selbst und andere als
liebesbedürftige Wesen erkennt. Ich bin noch ganz verwirrt und muss viele meiner
alten Denk-Schubladen über Bord schmeißen; noch viele Atemzüge auf meinem neuen
Sitzkissen machen; mir viel Zeit nehmen, bei der Einordnung von Situationen und
der Beurteilung von Menschen. Nach knapp
zehn Jahren Beziehung, habe ich Noerd neu kennen gelernt und dadurch noch
tiefere Gefühle für ihn entdeckt. Ich sage Euch, das löst ein ganz anderes
Feuerwerk aus als eine Penis-Massage!
Ich möchte mich bei einer ganz
lieben Freundin bedanken, die mir dieses Seminar empfohlen hat. Wir haben schon
so viel Großes gemeinsam erlebt. Schön, dass es Dich gibt.
Samstag, 18. August 2012
Über Kinderwunsch lesen
So muss es für Euch sein, meinen
Blog zu lesen. Das Buch „Ungestillte Sehnsucht – Wenn der Kinderwunsch uns umtreibt“
war der erste veröffentlichte Text, den ich
über Kinderwunsch gelesen habe. Und es tat mir gut. „Jedes fünfte Paar in
Deutschland ist ungewollt kinderlos“, dieses Zitat steht im ersten Artikel
meines Blogs. Aber die Zahl allein ist unpersönlich. Persönlich sind die Geschichten
der Menschen die hinter dieser Statistik stecken. Sie machen einem deutlich,
dass man nicht alleine ist. Millay Hyatt hat diese Geschichten
aufgeschrieben. Danke, Millay! Jedes Buch, jeder Blogeintrag, jede
Fernsehreportage, jedes öffentlich geführte Gespräch hilft uns aus unserer
Einsamkeit herauszukommen und aus dem Tabu „Ungewollte Kinderlosigkeit“ ein gesellschaftliches
Thema zu machen. Ein menschliches Thema.
An einem schönen Tag,
an dem es kein Tabu mehr ist, können wir im Restaurant einfach sagen: „Für mich
bitte kein rohes Ei / rohen Fisch / Alkohol / Koffein / Rohmilchkäse / etc. ich
bin vielleicht schwanger.“ Dann wird der Kellner fragen: "Was heißt
denn vielleicht?" Darauf antworte ich: "Durch künstliche
Befruchtung, natürlich. Ich bin in der Warteschleife" Schließlich der
Kellner: "Ach so! Wie aufregend. Dann alles Gute. Bei meiner Kollegin hat
es auch geklappt...."
Aber so weit sind wir leider noch nicht. Diese Woche wollte ich das Buch mit auf eine vierstündige Zugfahrt nehmen. Im letzten Moment entschied ich mich dagegen. Warum? Weil der Titel so „eindeutig“ ist. Alle Mitreisenden würden sofort ahnen, dass ich kinderlos bin. Ohne meinen Vornamen zu kennen, wüssten sie von meiner größten Verletzlichkeit. Ich habe kurz darüber nachgedacht, einen Einband zu basteln, aber dann käme ich mir vor, wie ein Mann der im Supermarkt eine "Auto, Motor und Sport" nur deswegen kauft, um sie an der Kasse über den Playboy zu legen. Ich ließ das Buch auf dem Nachttisch liegen.
„Ist das Buch gut für mich?“ habe ich mich nach der Hälfte gefragt. „Was macht das Buch mit mir? Ohne das Buch würde mein Kopf diese Gedanken gar nicht kennen. Es erweckt neue Vorbehalte die ich noch nicht kannte und fegt Zweifel weg, die unüberwindbar schienen. Es findet Schmutz in Ecken, die ich schon als „sauber“ abgehakt hatte und mein Magen signalisiert mir, dass ich zum entknoten desselben doch noch einmal zu meiner Therapeutin muss.“ Ich fühlte mich verunsichert.
Völlig aufgelöst war ich nach einem Kapitel, in dem eine junge Mutter beschreibt, wie sie schließlich mit einer Eizellspende aus Spanien schwanger wurde. „Oh, Gott. Das haben wir ja noch gar nicht probiert.“ schoss es mir durch den Kopf. „Sollen wir diesen Schritt noch gehen? Wir wollen uns doch später nicht vorwerfen, dass wir nicht ALLES versucht haben. Oder? Oder haben wir es nicht in Betracht gezogen, weil hier unsere persönliche Grenze ist? Weil wir einfach keine Kraft mehr haben, durch die nächste Tortur zu schliddern?“ Ich fühlte, dass ich den Wunsch nach einem leiblichen Kind noch nicht loslassen kann.
Schließlich fiel mir auf wie unterschiedlich die Wünsche und Ängste von uns Kinderlosen sind. Eine Frau berichtet wie stark ihr Wunsch ist, eine Schwangerschaft zu durchleben, das Kind im Körper zu spüren. Dieser Gedanke ist mir völlig fremd und wird es auch bleiben. Warum sollte ich mich nach 15 Kilo mehr Gewicht und dem Geburtsschmerz sehnen? Auch hier im Blog finden sich so viele verschiedene Ansichten zu: Traditionell Chinesische Medizin, künstliche Befruchtung im Ausland, Rauchen und fliegen während der Warteschleife, Leihmutterschaft. Das finde ich toll und dazu möchte ich, Franka Fruchtig, heute das Wunderbare verkünden: Jede von Euch hat recht! Vor allem Recht auf eine eigene Meinung, ganz individuelle Gefühle und Ängste. Erika Berger hat einmal zum Thema Liebe gewienert: „Redet’s, redet’s, redet’s darüber.“ Das sollten wir hier zum Thema Kinderwunsch tun. Redet, schreibt, lest, diskutiert, ja streitet Euch sogar. Das ist eine Aufforderung! Tod dem Tabu.
An einem schönen Tag,
an dem es kein Tabu mehr ist, können wir im Restaurant einfach sagen: „Für mich
bitte kein rohes Ei / rohen Fisch / Alkohol / Koffein / Rohmilchkäse / etc. ich
bin vielleicht schwanger.“ Dann wird der Kellner fragen: "Was heißt
denn vielleicht?" Darauf antworte ich: "Durch künstliche
Befruchtung, natürlich. Ich bin in der Warteschleife" Schließlich der
Kellner: "Ach so! Wie aufregend. Dann alles Gute. Bei meiner Kollegin hat
es auch geklappt...."Aber so weit sind wir leider noch nicht. Diese Woche wollte ich das Buch mit auf eine vierstündige Zugfahrt nehmen. Im letzten Moment entschied ich mich dagegen. Warum? Weil der Titel so „eindeutig“ ist. Alle Mitreisenden würden sofort ahnen, dass ich kinderlos bin. Ohne meinen Vornamen zu kennen, wüssten sie von meiner größten Verletzlichkeit. Ich habe kurz darüber nachgedacht, einen Einband zu basteln, aber dann käme ich mir vor, wie ein Mann der im Supermarkt eine "Auto, Motor und Sport" nur deswegen kauft, um sie an der Kasse über den Playboy zu legen. Ich ließ das Buch auf dem Nachttisch liegen.
Schließlich habe ich
Millay’s Buch während der letzten Wochen abends im Bett gelesen. Ich fand darin
Themen, die mir sehr bekannt vorkamen, z.B. die Enttäuschung nach erfolglosen
Kinderwunschbehandlungen oder die Zweifel, als wir zum ersten Mal ernsthaft
über Adoption gesprochen haben. Der Satz "Wenn mal aber einmal in den Sog der Erfüllungsmaßnahmen geraten ist, kann es schwer sein zu erkennen, wie weit zu weit ist." passt wie die Faust auf's Auge zu meinem Artikel "Gebährmutter-Leasing". An ein paar Stellen dachte ich: „Gut, dass ich
das schon verarbeitet habe.“ und fühlte
mich bestärkt.
Dann wurde ich von Themen
überrascht, über die ich noch nie nachgedacht hatte, z.B. darüber welche Leere ein
Kind sein Leben lang fühlen muss, wenn seine eigene Mutter es nach der Geburt
weggegeben hat. „Meine Mutter wollte mich nicht.“ Dies trifft zu bei Adoption,
einem Pflegekind, sogar bei einer Leihmutterschaft. Der eigene Kinderwunsch war so groß, dass er
mir die Sicht auf das Wohl des Kindes verdeckt hat. Ich fühlte mich beschämt.
„Ist das Buch gut für mich?“ habe ich mich nach der Hälfte gefragt. „Was macht das Buch mit mir? Ohne das Buch würde mein Kopf diese Gedanken gar nicht kennen. Es erweckt neue Vorbehalte die ich noch nicht kannte und fegt Zweifel weg, die unüberwindbar schienen. Es findet Schmutz in Ecken, die ich schon als „sauber“ abgehakt hatte und mein Magen signalisiert mir, dass ich zum entknoten desselben doch noch einmal zu meiner Therapeutin muss.“ Ich fühlte mich verunsichert.
Völlig aufgelöst war ich nach einem Kapitel, in dem eine junge Mutter beschreibt, wie sie schließlich mit einer Eizellspende aus Spanien schwanger wurde. „Oh, Gott. Das haben wir ja noch gar nicht probiert.“ schoss es mir durch den Kopf. „Sollen wir diesen Schritt noch gehen? Wir wollen uns doch später nicht vorwerfen, dass wir nicht ALLES versucht haben. Oder? Oder haben wir es nicht in Betracht gezogen, weil hier unsere persönliche Grenze ist? Weil wir einfach keine Kraft mehr haben, durch die nächste Tortur zu schliddern?“ Ich fühlte, dass ich den Wunsch nach einem leiblichen Kind noch nicht loslassen kann.
Schließlich fiel mir auf wie unterschiedlich die Wünsche und Ängste von uns Kinderlosen sind. Eine Frau berichtet wie stark ihr Wunsch ist, eine Schwangerschaft zu durchleben, das Kind im Körper zu spüren. Dieser Gedanke ist mir völlig fremd und wird es auch bleiben. Warum sollte ich mich nach 15 Kilo mehr Gewicht und dem Geburtsschmerz sehnen? Auch hier im Blog finden sich so viele verschiedene Ansichten zu: Traditionell Chinesische Medizin, künstliche Befruchtung im Ausland, Rauchen und fliegen während der Warteschleife, Leihmutterschaft. Das finde ich toll und dazu möchte ich, Franka Fruchtig, heute das Wunderbare verkünden: Jede von Euch hat recht! Vor allem Recht auf eine eigene Meinung, ganz individuelle Gefühle und Ängste. Erika Berger hat einmal zum Thema Liebe gewienert: „Redet’s, redet’s, redet’s darüber.“ Das sollten wir hier zum Thema Kinderwunsch tun. Redet, schreibt, lest, diskutiert, ja streitet Euch sogar. Das ist eine Aufforderung! Tod dem Tabu.
P.S. Kennt ihr weitere
Bücher zum Thema Kinderwunsch, die Euch bewegt haben? Ich würde mich freuen in
den Kommentaren ein paar Lesetipps zu finden, damit nicht der Eindruck entsteht ich möchte für ein spezielles Buch Werbung machen.
Donnerstag, 7. Juni 2012
Gebärmutter-Leasing?
Eine Gebärmutter aus der Ukraine kostet im Angebot 10.000 Euro. Gar kein
schlechtes Angebot. Noerd und ich haben den Kinderwunschkliniken schon Beträge
überwiesen mit denen wir auch zwei kleine Neuwagen hätten erwerben können, also
deutlich mehr als die Kosten einer Ukrainischen Leihmutter. Dabei „heraus“
gekommen ist bis heute nichts. Wenn man das „Rundum- Sorglos-Paket“ haben
will, muss man das Geld für eine Deutschen Familien- oder Luxuskarosse berappen,
aber dafür bekommt man auch eine „Kind-Garantie“. Das zumindest versprechen
einige Leihmutter-Agenturen aus der Ukraine und anderen EU und Nicht-EU-Ländern
in fehlerfreiem Deutsch, denn die Webseiten sind für ihre Zielgruppe verfasst:
Deutsche, ungewollt kinderlose Paare wie wir. Deutsche Webseiten gibt es nicht,
denn in Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten. Genauer, sittenwidrig und
strafbar.
Wenn man den langen Weg mit fünf Stimulationen und insgesamt acht Versuchen
gegangen ist, kennt man sich aus im Reproduktions-Business. Die Ärzte überlegen
gewinnbringend wie man doch noch zum leiblichen Wunschkind kommen kann. Hierbei
werden alle Register der modernen Reproduktionsmedizin gezogen: Assisted Hatching, IMSI (Spermienselektion), Polkörperdiagnostik (PKD), Blastos,
Traditionell Chinesische Medizin (TCM), sogar Viagra. Da kommt es einem auf einmal unlogisch vor, warum die Leihmutterschaft
verboten ist. Eine Frau spendet ihre Gebärmutter. Was ist schon dabei? Es ist
ja nur auf Zeit. Die Frau muss noch nicht mal sterben für diese Organ Spende. Apropos
Organspende. Das ist doch legal in Deutschland, oder? Ja, klar es rettet Leben
und ist daher nicht sittenwidrig. Moment. Tut das die Leihmutterschaft nicht
auch?
Bei den Überlegungen verschwimmen unsere Grenzen. Was können wir mit
unserem ethischen Gewissen vereinbaren? Dr. Kaiser aus Wien sagte einmal: „
Länger als fünf Tage können wir Ihre Embryonen nicht kultivieren. Das ist nicht
erlaubt. Da könnte man ja direkt das komplette Kind im Labor zeugen.“ Ja! Warum
eigentlich nicht? Ist es nur eine Frage der Zeit, bis dies möglich ist? Lacht
man sich im Jahr 2100 kaputt über das spießige Embryonenschutzgesetz von 2012?
„Es werden in Deutschland immer weniger Kinder adoptiert, weil die meisten
sich für eine Leihmutterschaft entscheiden.“ Diesen Satz finde ich in einer
seriösen Statistik, die eigentlich zum Thema Adoption erhoben wurde. Leihmutterschaft
ist verboten, aber es scheint Deutscher Staatsbürger zu geben, die sich dafür
„entscheiden“. Ist Gebärmutter-Leasing also längst gesellschaftsfähig in
Deutschland? Bin ich die letzte prüde infertile Deutsche die das mitbekommt? Verglichen
mit der Adoption hat die Leihmutterschaft ein paar deutliche Vorteile. Man
bekommt ein „leibliches“ Kind, man bekommt ein Baby, man weiß wann man es
bekommt und man muss vor dem Jugendamt nicht die emotionale Hose runterlassen.
Bei weiterer Recherche finden wir heraus, dass in vielen Ländern diejenige Frau die Mutter ist, die das Kind geboren hat. Diese Frau kann also nach aktueller Gesetzeslage keine Deutsche sein. Damit bekommt das Kind keinen deutschen Pass. Das bedeutet, dass das „eigene“ durch die Leihmutter geborene Kind, nicht nach Deutschland einreisen und auch nicht aus dem Mutterland ausreisen darf. Blöd. Da nutzt das Sonderangebot von 10.000 Euro auch nichts.
Was machen wir jetzt? Sollen wir diesen Weg ernsthaft verfolgen? Die Angebot im Internet kommen mir allesamt unseriös vor. Und sollen wir wirklich nochmal so viel Geld ausgeben dafür, dass das Kind am Ende vielleicht nicht in Deutschland bei uns leben darf? Ich glaube, ich rufe mal Sarah Jessica Parker an und frage sie um Rat. Ich habe Jahre lang ihre Serie geguckt. Das ist sie mir schuldig. ;)
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