Donnerstag, 16. März 2017

Dann adoptieren wir eben

"Dann adoptieren wir eben", sagte Noerd nach dem letzten Versuch
in der Kinderwunsch-Klinik in Österreich.
Dieser Satz ist wie ein süßes Bonbon mit bitterem Beigeschmack.

Will ich das wirklich?
Kann ich ein Kind von einer fremden Frau und einem fremden Mann annehmen wie mein Eigenes?
Will ich die Strapazen der Kindererziehung auf mich nehmen, für ein Kind, dass nicht mein leibliches Kind ist? Wird das Kind mich jemals lieben wie seine leibliche Mutter?
Was wird es für ein Kind sein? Ein farbiges aus Äthiopien, ein rot-haariges oder schwarz-haariges, dem man gleich ansieht, dass es nicht mein Kind sein kann? Wie würde ich mich damit fühlen?
Und überhaupt: Kann ich den Wunsch ein leibliches Kind zu bekommen jemals wirklich loslassen?

Ich weiß es nicht!

Der einzige Ausweg scheint mir erstmal mehr darüber zu erfahren. Nach ein wenig Internet-Recherche ist klar, wir müssen uns beim Jugendamt unserer Stadt vorstellen. Dort bekommen wir Informationen über das Thema Adoption und können alle Fragen stellen, die uns auf dem Herzen liegen. Hört sich nach einem guten Start an. Ich wähle die Nummer vom Jugendamt...

"Rottenmeier!"
Ach du meine Güte, was ist das für ein Name.
"Franka Fruchtig, hier. Wir interessieren uns für Adoption. Sind wir bei Ihnen richtig?"
"Ja, Frau Fruchtig. Schön, dass Sie sich melden. Ich kann Ihnen einen Termin in drei Wochen anbieten, Dienstag um 10 Uhr bei mir im Büro."
Na, klar, beim Amt ist es wie beim Arzt ohne Privatversicherung - man muss mit Wartezeiten rechnen. Dass sich das noch viele Jahre so hinzieht, ahne ich zu dem Zeitpunkt nicht.
"Gut," sage ich, ohne zu wissen ob es für Noerd passt (es muss passen!) "wir kommen.", verabschiede mich und lege auf.

Und da ist es. Ein positives Gefühl. Neugier. Ein neuer Weg. Öffnet sich hier für unser Leben eine neue Tür? Ich kann es nicht erwarten Noerd am Abend von unserem Termin beim Jugendamt zu erzählen.

Fortsetzung <Renate Rottenmeier>

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