Samstag, 30. Oktober 2010

Neuer Mut

Am Morgen des dreißigsten Zyklustages wache ich spät auf. Ich habe lange und tief geschlafen, fühle mich körperlich fit. Ich horche in mich herein, und frage wie es meinem Herzchen geht, aber ich bekomme noch keine Antwort. Es ist wohl noch zu früh an diesem Morgen. Na gut, dann gehe ich erstmal ins Bad. Als ich in den Spiegel schaue, sehe ich eine blasse Franka mit geschwollenen Tränensäcken. Na, Mahlzeit! Wer will das denn sehen? Während ich spezielles Anti-Aging-Gel auf meine Augenpartie tupfe, merke ich den leichten Kopfschmerz, der im Nacken beginnt und sich quer über meinen Hinterkopf zur Stirn zieht. Genüsslich drehe ich mich zu meinem Medizinschrank, nehme mir eine Kopfschmerztablette heraus und schlucke sie mit einem kleinen Schluck Wasser aber großer Genugtuung herunter. Es hat auch Vorteile, wenn man nicht schwanger ist!

Als ich meine Kaffeemaschine anschmeiße, um mir eine große Tasse starken und koffeeinhaltigen Kaffee zu brauen, redet endlich mein Herz mit mir. Es hat zwar auch noch geschwollene Augen, aber es hat Frieden geschlossen mit dem Ergebnis. Alle negativen Gedanken hat es gestern heraus geschrien; heute ist wieder Platz für etwas Optimismus. Es war schließlich nicht unser letzter Versuch, den die Krankenkasse unterstützt. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mir die Schwangerschaftsanzeichen alle nur eingebildet habe. Von den anderen Mädels aus den Foren, weiß ich, dass es einige Anläufe dauern kann, bis es klappt. Ich beschließe, noch mal zum Arzt zu gehen, wenn meine Periode einsetzt. Ich habe so viele Fragen, die nur er mir beantworten kann.

Das Einzige, was der Arzt mir nicht abnehmen kann, ist meine Einsamkeit. Dieser Gedanke versetzt meinem Herz noch mal einen Stich und mein Magen verknotet sich. Ich nehme mein Tagebuch heraus und beginne meine Gefühle von gestern aufzuschreiben. Seitdem ich denken kann, hilft mir das Schreiben die Dinge klarer zu sehen. Wenn ich aufschreiben will, was mich bedrückt, dann muss ich die Themen erstmal sortieren, strukturieren, die richtigen Worte und eigenen Argumente finden. Wenn meine Ängste, mein Zorn oder meine Traurigkeit dann dort schwarz auf weiß stehen, liegen sie mir nicht mehr so schwer auf dem Herzen. Es ist so, als hätte ich sie auf einer externen Festplatte gespeichert.

Ohne den düsteren Gefühlsnebel von gestern, versuche ich vernünftig darüber nachzudenken, was ich machen könnte, wenn wir wirklich keine Kinder bekommen. Auf einmal schießt der Gedanke durch meinen Kopf, der mein Leben verändern wird. Natürlich! Ich werde schreiben. Ich werde über das Thema Kinderwunsch schreiben, aber nicht in mein Tagebuch, sondern in einen Internet-Blog. Er könnte allen Frauen, die in der selben Lage stecken, helfen, besser durch diese emotionale Zeit zu kommen. Ich werde ein Facebook-Profil anlegen und wahrscheinlich viele Leute kennen lernen, die sich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigen. Dann wäre ich nicht mehr so allein. Und wer weiß, wenn die Menschen meine Texte mögen, vielleicht schmeiß' ich dann meinen Job hin und werde Schriftstellerin!

Elektrisiert von der Idee stürze ich an meinen Computer und lege einen kostenlosen Blog bei einem großen Suchmaschinenanbieter an. Wie könnte der Blog heißen? Ich denke, "Nicht schwanger!" wäre passend. Ich beginne zu schreiben.

Ende.

Freitag, 29. Oktober 2010

Der Schmerz

Die letzten zwei Stunden bis zum Feierabend verbringe ich still. Innerlich bin ich leer. In dem Moment, in dem ich das Bürogebäude verlasse, läuft mir schon die erste Träne über mein Gesicht. Meinen Mann habe ich direkt nach dem Gespräch mit der Kinderwunschklinik angerufen. Er hat gesagt, es tut ihm leid. Aber ich glaube nicht, dass er so leidet wie ich. Ich könnte ihn anschreien, wäre er jetzt hier. Ich fühle mich so allein.

Wie automatisiert setzte ich mich in meinen Wagen und starte den Motor. Die Kinderwunschklinik hat ihren Job gemacht. Ich weiß, dass es keine Erfolgsgarantie gibt. Jedoch empfinde ich es als unmenschlich, dass die Leistung der Klinik nach der telefonischen Überbringung des negativen Ergebnisses endet. Ich bin sauer darüber, dass es keinerlei Nachbesprechung gibt. Ich bekomme keine Erklärung darüber, was schief gelaufen ist, keine Details über die Blutwerte. Es würde mir jetzt helfen, zusammen mit dem Arzt zu überlegen, was man beim nächsten Mal besser oder anders machen kann. Ich brauche eine Perspektive, die mir Mut macht. Ich habe keinen Psychologen, den ich anrufen kann. Außerdem kennt ein Psychologe meine Patientenakte nicht, und könnte mir auch nicht sagen, ob ich mir beim nächsten Mal mehr Gelbkörperhormon, mehr FSH (Follikel Stimulierendes Hormon) oder mehr Ruhe gönnen sollte.

Als ich zu Hause bin, lege ich nur meinen Mantel ab und schmeiße mich aufs Bett. Ich beginne so bitterlich zu weinen, wie selten in meinem Leben. In meinem Kopf kreisen die Gedanken an das negative Blutergebnis, und damit kommt die Angst zurück niemals Kinder bekommen zu können. Der ausgerechnete Geburtstermin 07.07.2011 sticht mir einen Dolch ins Herz. An diesem Tag werden keine Kinder geboren, nicht von mir. Ich habe Angst, dass mein Leben ohne Kinder leer sein wird. Im Alter werde ich ganz alleine sein. WOFÜR SOLL ICH LEBEN?

Ich denke an die süßen Gesichter der Kinder meiner Freunde und es zerreist mir mein Herz, dass ich vielleicht nie in das süße Gesicht meines eigenen Kindes gucken werde. Ich habe so viel zu geben. Wohin mit meiner Mutterliebe? Gegenüber von unserer Wohnung ist ein Kindergarten. Jeden Morgen zerren gestresste Eltern ihre süßen Kinder durch die Eingangstür. Manchmal bleiben die Kinder den ganzen Tag dort, weil die Eltern auch am Nachmittag etwas Besseres vorhaben. Shoppen, Café trinken, Golf spielen. Ich könnte kotzen.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist schon acht. "Wo bleibt eigentlich mein Mann? Wie kann er mich so lange alleine lassen? Wird unsere Liebe groß genug sein? Sind seine Gefühle stark genug für mich, um diese Zeit zu überstehen. Sind wir zwei uns genug, wenn wir keine Kinder bekommen?" Meine Augen sind schon ganz geschwollen und ich bekomme Kopfschmerzen vom Weinen.

Eine Stunde später bin ich immer noch alleine. Warum ist mein Mann nicht bei mir? WARUM IST KEINER DA DER MIT MIR REDET? Ich möchte schreien und irgendetwas zerstören. Meine Beziehung, meine Karriere, eine Vase, mich selbst.

Um 22:30 Uhr kommt er. Als er das Schlafzimmer betritt, bewege ich mich nicht. Ich weiß, dass ich ihn nicht anschreien darf. Er hat keine Schuld und ich liebe ihn. Deswegen sage ich nichts. Ich weine. Mein Weinen ist zu einem Schreien geworden. Ein Schreien, das meine Verzweiflung zeigt. Er umarmt mich. Er flüstert zärtlich meinen Namen. Schließlich, als ich mich wieder ein wenig beruhigt habe, sage ich: "Ich fühle mich so allein."

Völlig erschöpft schlafe ich gegen Mitternacht ein.

(Forsetzung: Neuer Mut)

Das Ergebnis

Der neunundzwanzigste Zyklustag* beginnt um fünf Uhr morgens, denn ich wache mitten in der Nacht nach einem unruhigen Traum auf. Normalerweise schlafe ich durch. Das macht mir bewusst, wie sehr mich die ganze Sache mitnimmt. Wahrscheinlich habe ich von einem negativen Ergebnis geträumt.

Um acht Uhr morgens sitze ich wieder im Wartezimmer der Kinderwunschklinik. Ich habe aufgehört mir die anderen Patienten anzuschauen, sondern stürze mich direkt auf die Gala. Wenn man morgens vor 9 Uhr zur Blutabnahme geht, bekommt man das Ergebnis noch am gleichen Tag. Als ich drankomme, fragt die nette Assistentin: "Sie kommen heute zum Schwangerschafttest, nicht wahr?" und wirft mir ein verheißungsvolles Lächeln zu. "Ja, genau." gebe ich zögerlich zurück. Mein Gefühl ist nicht so verheißungsvoll. Die Blutabnahme ist schon zur Routine geworden. Ich gebe noch schnell meine Telefonnummer ab, unter der ich zu erreichen bin, wenn das Ergebnis feststeht und gehe erstmal arbeiten.

In den nächsten zwei Stunden beantworte ich meine Emails. Es sind die letzten ruhigen Stunden an diesem Tag. Gegen zwölf Uhr werde ich nervös, weil der Anruf der Kinderwunschklinik nun jeden Moment kommen kann. Ich hoffe, dass ich nicht in einem Meeting sitze oder ein Kollege mich in ein Gespräch verwickelt, wenn das Telefon klingelt. Zwei Stunden lang starre ich auf mein Handy und erwarte, dass 'Unbekannter Anrufer' auf dem Display erscheint. Nichts. Jetzt muss ich zu einem Termin. Ich lasse mein Handy einfach auf dem Schreibtisch liegen und gehe los. Wenn ich angerufen werde, sehe ich das schließlich hinterher und kann dann einfach zurückrufen. Als ich nach dem Termin auf mein Telefon schaue, hat es immernoch keinen 'Anruf in Abwesenheit' registriert. Um vier Uhr beschließe ich selbst in der Kinderwunschklinik anzurufen.

Ich suche mir ein ruhiges Büro und wähle die Nummer der Kinderwunschklinik.
"Kinderwunschklinik. Was kann ich für Sie tun?"
"Hallo, mein Name ist Franka Fruchtig. Ich war heute Morgen bei der Blutabnahme für den Schwangerschaftstest und wollte fragen ob Sie schon die Ergebnisse haben?". Ich merke, dass ich völlig kurzatmig bin und versuche tief Luft zu holen.
"Einen Moment bitte, ich schaue kurz nach. Wie ist ihr Geburtsdatum?"
"Erster Januar 1972." sage ich knapp. Es knackt in der Leitung. Die Dame von der Kinderwunschklinik hat mich wohl auf lautlos gestellt. Dann ist sie wieder da.
"So, ich habe nachgeschaut. Das Testergebnis ist leider negativ."
Ich sage nichts.
"Tut mir leid, Frau Fruchtig."
Mein Gehirn scheint leer zu sein. Mein Herz pocht. Als könnte ich ihr doch noch ein "positiv" entlocken, oder als könnte die Dame mir helfen mit der Situation umzugehen, frage ich sie: "Und was soll ich jetzt machen?"
"Haben Sie denn noch Embryonen eingefroren?"
"Ja", sage ich.
"Dann setzen Sie bitte jetzt die Medikamente ab. Wenn Ihre Blutung einsetzt, machen Sie sich einfach einen Termin für einen Ultraschall. Vielleicht können Sie es gleich im nächsten Zyklus noch mal versuchen." Die Dame ist ruhig und einfühlsam, aber ich hasse sie in diesem Moment.
Ich bringe nur einen Räuspern hervor.
Die Dame von der Kinderwunschklinik verabschiedet sich höflich, legt auf und macht Ihren Job weiter. Ich lege auf und eine Welt bricht zusammen.


*Es tut mir leid, ich habe mich bei Berechnung der Tage vertan. Der Bluttest war eigentlich am 30 Zyklustag. Er wird in der Regel vierzehn Tage nach dem Transfer gemacht.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Einbildung und Ausreden

Der siebenundzwanzigste Zyklustag scheint so zu beginnen, wie der sechsundzwanzigste aufgehört hat: ohne Brustspannen. Im Gegensatz zu gestern, als ich übermäßig oft auf die Toilette gerannt bin, packe ich mir heute ständig an die Brust. Ja klar, es drückt ein wenig, wenn ich mir an die Brust greife, aber ist es noch das klare Brustspannen von vorgestern?

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Büro sitze. Ich kann mir nicht so oft an die Brust greifen wie ich möchte. Ich zu gerne mal meine Brustwarzenfarbe kontrollieren. Ist die eigentlich noch so dunkel wie vorgestern? Als mein Kollege, der neben mir sitzt zu einem Termin verschwindet, nehme ich die günstige Gelegenheit wahr. Ich greife in meine Bluse, schiebe meine Brust hoch und kontrolliere deren Warze und Hof. Hmmm. Mein Hirn sagt mir, dass die Brustwarze eigentlich ganz normal aussieht, aber mein Herz redet mir ein, dass dort immer noch braune Flecken auf dem Brustwarzenhof sind. Waren diese dunklen Stellen die letzten 38 Jahre schon da? Ich komme zu keinem Ergebnis, ermahne mich selbst, einfach den Bluttest in zwei Tagen abzuwarten und knöpfe meine Bluse wieder zu.

Obwohl die Sache mit den Brüsten mich stutzig macht, denke ich positiv. Schließlich hat meine Periode noch nicht eingesetzt und es fühlt sich auch nicht so an, als würde sich das heute noch ändern. Ein Ziehen im Unterbauch hatte ich in den letzten Tagen nicht mehr. Ich habe aufgegeben in den Foren danach zu suchen, was das bedeuten könnte. Es kann immer alles heißen.

Am Abend treffen wir uns mit Nachbarn. Normalerweise bringen wir zu diesem netten Beisammensein einen leckeren Wein mit. Eine Stunde vor dem Treffen überlege ich mir schon, was ich heute als Ausrede für meine Alkoholabstinenz benutzen kann. "Ich muss noch fahren." ist bei Besuchen in der Nachbarschaft eher schlecht. "Ich habe heute schon genug getrunken." passt nur, wenn man am Wochenende ausgeht, würde ich aber nie bei meinen Eltern einsetzen. "Ich nehme Antibiotika und darf daher keinen Alkohol trinken." funktioniert ganz gut bei Leuten, die mich nicht so gut kennen. Freunde würden allerdings nachhaken, denn ich bin noch nie in meinem Leben so krank gewesen, dass mir ein Arzt ein Antibiotikum verschrieben hätte. Ich würde so gerne sagen:" Ich bin vielleicht schwanger. Ist das nicht aufregend? Deshalb möchte ich keinen Alkohol trinken." Ich muss allerdings damit rechnen, dass die Nachbarin in zwei Wochen nachfragt ob es geklappt hat. Darauf kann ich wirklich verzichten, sollte der Bluttest negativ ausfallen. Als wir schließlich bei den Nachbarn im gemütlichen Wohnzimmer sitzen, entscheide ich mich spontan für: "Danke, für mich heute keinen Rotwein, mein Magen kann die Säure im Moment nicht vertragen." Trotz dieser Lüge, wird es ein herzlicher und fröhlicher Abend.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Franka und das Klo

Der sechsundzwanzigsten Zyklustag besteht hauptsächlich aus Klobesuchen. Ich habe Panik, dass heute meine Blutung einsetzt. Meine kürzesten Zyklen dauern sechsundzwanzig Tage, daher die Aufregung. Kurz nach dem Aufstehen meine ich zu spüren, dass Blut in meine Unterhose läuft. Ich stürze zur Toilette und schaue nach. Weil es nur das vaginal eingeführte Gelbkörperhormon ist, von dem ein wenig in meine Slipeinlage gelaufen ist, bin ich kurzzeitig beruhigt. Aber ein schlechtes Gefühl bleibt.

Am Mittag schließlich der Schock. Als ich mir nach einem kleinen Geschäft den Po abputze, habe frisches Blut im Klopapier. Ich nehme das zur Kenntnis, aber die eigentliche Information ist in meinem Hirn noch nicht angekommen. Ich blute, das heißt, ich bin nicht schwanger! Immer wieder putze ich mir den Po ab. Ja, da ist Blut. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Traurige und wütende Gedanken lassen die Klobrille erbeben. So schnell kann der Traum vom Wunschkind zerplatzen und auch noch an einem so nüchternen Ort wie der Firmentoilette.

Langsam und noch während ich sitze, sammeln sich meine Gedanken wieder. Moment mal, warum ist da eigentlich frisches Blut. So fängt doch keine Periode an! Ich sitze immer noch mit heruntergelassener Hose auf der Toilette und prüfe jetzt sorgfältig wo das Blut herkommt. Dann muss ich lachen. Ich habe mir an meinem sechsundzwanzigsten Zyklustag so oft den Po abgeputzt, dass ich mir offenbar eine kleine Wunde zugezogen habe.

Der Nachmittag wird ein wenig entspannter und als ich Feierabend mache, bin ich davon überzeugt, dass ich meine Periode heute nicht mehr bekomme. Der Abend ist mit einer Freundin verplant. Wir wollen etwas zusammen kochen. Das Treffen wird lecker und heiter und so bin ich glücklicherweise ein paar Stunden abgelenkt. Als ich mich ins Bett lege, drehe ich mich demonstrativ auf den Bauch, um nochmal dieses ganz klare Brustspannen zu fühlen. Es ist weg. Komisch.

Montag, 25. Oktober 2010

Hormonkarneval

Ich konnte nicht anders. Nein, nicht was Ihr denkt. Von dem Schwangerschaftstest habe ich die Finger gelassen, aber bei dem Geburtsterminrechner bin ich schwach geworden. Bei einem durchschnittlichen Zyklus von 27 Tagen und mit Zyklustag eins am 1. Oktober 2010, kommt das Kind am 07.07.2011 auf die Welt. Was für ein geniales Datum für einen Geburtstag! Das kann sich jeder merken und es ist mitten im Sommer. Vor meinem geistigen Auge sitze ich mit meiner kleinen Tochter (Ich glaube, es wird ein Mädchen!) zu ihrem dritten Geburtstag im Sand am Meer; ihre Hände und ihr Mund sind braun verschmiert von der Schokoladen-Geburtstagstorte.

Der Grund dafür, besser gesagt die zwei Gründe dafür, dass ich meine Vorsätze über den Haufen geschmissen habe und doch den Geburtstermin ausgerechnet habe, sind meine Brüste. Gestern Abend vor dem Einschlafen waren sie so empfindlich, dass ich nicht in meiner gewohnten Bauchlage einschlafen konnte. Als mir das auffiel, machte ich innerlich Luftsprünge. Eine Freundin, die letztes Jahr ihr Kind bekommen hat, erzählte mir einmal, dass sie Ihre Schwangerschaft bereits vermutete, weil sie wegen der spannenden Brüste nicht mehr auf dem Bauch schlafen konnte.

Ich habe mir schon zu oft die Geburtstermine ausgerechnet und wie groß war dann die Enttäuschung, wenn der Bluttest negativ war bzw. die Regel eingesetzt hat! Irgendwann habe ich mir geschworen, das nie wieder zu tun, bevor der Schwangerschaftstest nicht positiv ist. Aber gerade bin ich mir so sicher!

Heute morgen bei der routinemäßigen Brustwarzenkontrolle habe ich entdeckt, dass diese eindeutig dunkler geworden sind. Eine Frau erkennt so etwas sofort. Ich könnte alle Menschen um mich umarmen. Leider sitze ich in der Arbeit und meine hauptsächlich männlichen Kollegen hätten wenig Verständnis dafür. Ich schreibe meinem Liebsten, der morgens vor mir aus dem Haus geht, eine Email mit den Neuigkeiten. "Ui, ui, ui!" und einen Smiley schickt er mir zurück. Tja, wie soll man bei so einem Hormonkarneval arbeiten? Das Einzige, das ich an diesem Arbeitstag schaffe, ist meine Ablage.

(Fortsetzung: Franka und das Klo)

Sonntag, 24. Oktober 2010

TF+8

Jetzt wird es spannend. Heute ist Zyklustag vierundzwanzig, der Transfer ist acht Tage her und mein Zyklus dauert normalerweise 26 bis 28 Tage. Das heißt, dass die Blutung in zwei Tagen einsetzen könnte. Oder eben nicht. Häufiges Ziehen im Unterleib hat mich in den letzten zwei Tagen begleitet. Es ähnelte zwar den Schmerzen kurz vor oder während der Menstruation, meine Tage blieben bisher jedoch aus. Meine Brüste möchten gerne platzen; nur mein BH scheint sie noch davon abzuhalten.

Als ich mir am Abend mein Nachthemd überstreifen will, schaue ich beiläufig auf meinen nackten Busen. Moment! Irgendwas an meiner Brust ist anders als sonst. Es ist ein winziges Detail an meiner rechten Brustwarze. Sie scheint sich zu schuppen. Nach genauerer Untersuchung entdecke ich das gleiche Phänomen an der linken Brustwarze. "Na wenigstens sind sie sich einig.", denke ich.

Ich bin selbst erstaunt darüber, dass es mich nicht reizt einen frühen Schwangerschaftstest zu machen. In den Foren berichten die Frauen 'in der Warteschleife'* von täglichen Schwangerschaftstests. Ich sträube mich innerlich dagegen, auch noch Geld für diese teueren Tests auszugeben. Unser Konto ist sowieso schon geschröpft. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich schon als kleines Kind nie meine Weihnachtsgeschenke gesucht habe. Ich wusste zwar, dass meine Mutti sie im Schlafzimmerschrank aufbewahrt, aber ich habe den Schrank nie aufgemacht.

"Werde ich auch irgendwann Weihnachtsgeschenke für mein Kind verstecken dürfen?"

*Die vierzehn Tage nach dem Transfer. Das Warten auf den Bluttest.

(Fortsetzung: Hormonkarneval)

Freitag, 22. Oktober 2010

Zeichen oder Einbildung?

Am Zyklustag zweiundzwanzig fällt mir zum ersten mal bewusst auf, dass meine Brüste spannen. Das ist unüberfühlbar! Auch sonst könnte ich platzen; nicht nur an den Brüsten sondern auch am Bauch. Kommt das von den Medikamenten? Mir ist klar, dass die Hormone mir vorspielen, ich sei bereits schwanger. Aber würden davon auch die Brüste spannen? Die Kinderwunsch- und Schwangerschaftsforen sind mittlerweile zu meinem täglichen Begleiter geworden und so stöbere ich nach Beiträgen zu 'Brust', 'Spannen' und 'Frühschwangerschaft'. Meine Suche endet mit folgendem Ergebnis: Es gibt genug Erklärungen dafür, dass ich schwanger bin und auch genug dagegen. Der Wunsch meines Herzens nach einer positiven Antwort wird jedes mal jäh von meinem rationalen Hirn zurückgewiesen. Nur der Bluttest am neunundzwanzigsten Zyklustag kann ein eindeutiges Ergebnis liefern kann. Bis zum Bluttest sind es noch sieben Tage. Sieben Tage!

Weil ich mich irgendwie ablenken muss, besuche ich am Abend meine Schwester. Da wir beide Hunger haben, schlage ich vor, eine leckere Türkische Pizza bei dem Schnellrestaurants unseres Vertrauens zu besorgen. Kurz überlege ich, ob dies auch die richtige Nahrung für eine Schwangere ist, komme schnell zu einem positiven Ergebnis, weil mir bei dem Gedanken an die ganzen Ballaststoffe und die viele Vitamine schon das Wasser im Mund zusammenläuft. In der Imbisbude angekommen, gebe ich erst meine Bestellung ab und habe dann Zeit mich umzuschauen. Neben der Salattheke sitzt eine Mutter beim Kinderwagen und füttert ihr Kleinkind mit Dönerzutaten. "Die Kleine ist schon alles! Döner, Türkische Pizza, sogar Tsatsiki.", erklärt mir der Mann hinter der Theke, der mein Essen zubereitet. "Aha!", denke ich, "die beiden gehören zusammen." Der Mann, der vor mir zwei Hähnchendöner bestellt hat, sagt, "Meine sind ein und drei Jahre alt und sie lieben Eure Döner." Beide Männer lachen laut. Dann kommt es faust dick für mich: "Und Sie, haben Sie auch Kinder?" fragt mich der Mann hinter der Mann hinter der Theke. Nun sind alle Augen auf mich gerichtet.

Ich hasse diese Situation. Sie kommt viel zu oft vor. Was soll ich sagen? "Nein, ich habe (noch) keine Kinder." Damit bekommt man immer den misstrauischen Blick und die Leute scheinen zu denken: "Aha, egoistisches Karriereweib. Die will sich wohl selbst verwirklichen.", oder etwas simpler: "Na, Mädchen, denk dran, Deine Uhr tickt!", oder "Die hat vielleicht keinen abbekommen, irgendwas stimmt mit der nicht." Vielleicht sind aber auch Leidengenossen mit fortgeschrittenem Kinderwunsch unter den Imbisbudenbesuchern und sie denken: "Liegt es an ihr oder an ihm?"
Uahhhh!


Da sicherlich keiner die Wahrheit hören will, sage ich schließlich, "Es ist grade ein Baby unterwegs!" und füge gequält lächelnd hinzu: "Ich weiß noch nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird." In diesem Moment beschließe ich nie wieder in dieses anti-infertilistische Schnellrestaurant zu gehen.

Als meine Türkischen Pizzen fertig sind und ich gerade durch die Tür ins Freie flüchten will, merke ich ein kurzes Ziehen in meinen Unterbauch. Ich vergesse alles um mich herum, denke mit mütterlicher Sorge an meinen Uterus und frage: "Ihr liebsten Kleinen, seid ihr noch da?"

(Fortsetzung: TF+8)

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Das Geschäftliche

Heute ist der einundzwanzigste Zyklustag. Seit meinem Transfer sind erst zwei Werktage vergangen. Trotzdem finde ich heute Morgen bereits die Abrechnung der Kinderwunschklinik im Briefkasten vor. "Die sind ja ganz schön schnell.", denke ich mir. Die Rechnungen müssen am Tag des Transfers oder am nächsten Tag rausgeschickt worden sein. Das Lächeln des Doktors bekommt plötzlichn einen bitteren Beigeschmack. Fünf Rechnungen liegen auf unserem Küchentisch, die wir zwar alle erwartet haben, die aber alle auf einmal mehr ausmachen, als unser Konto momentan verkraften kann. Jetzt erinnere ich mich erst bewusst daran, dass ich für alle Behandlungen am Tag der Punktion unterschrieben habe. Die ICSI-Behandlung, das Einfrieren, das Assisted Hatching, und zwei Bluttests. 

Ich hatte es die letzten drei Wochen ignoriert, dass die Kinderwunsch-Behandlung nicht nur eine emotionale Belastung wird, sondern auch eine finanzielle. Die teuren Hormone haben unser Konto bereits leer gefegt und da der Monat leider auch dieses mal vier lange Wochen hat, kommt erst nächste Woche 'frisches' Geld. Kleine Sorgenfalten legen sich auf mein Gesicht. Ich lasse die Rechnungen zu denen vom Schreiner und von der Stadt segeln, die mir einen Strafzettel fürs Falschparken verpasst hat, und hoffe, dass das nächste Gehalt auf wundersame Weise höher ausfällt als sonst.

Als ich mich gerade vom Rechnungsstapel wegdrehe, spüre ich ein ganz leichtes Zucken im Unterbauch.
"Was war das denn? Kenne ich dieses Gefühl schon?"
Nein, an ein solches Zucken in der Nähe der Gebärmutter kann ich mich nicht erinnern und mit dem Ziehen vor oder während der Regelblutung hatte dies keine Ähnlichkeit. Ich logge mich auf meinem Rechner ein und durchstöbere das Internet. Es ist unglaublich schwer, die richtigen Suchbegriffe zu finden. 'Zucken', 'Ziehen' und 'Schwangerschaft', liefert eine unbefriedigende Trefferliste für die Schwangerschaftswochen fünf und später. Was, zum Teufel, könnte man denn in Woche drei und vier spüren?

Dann endlich finde ich eine Erklärung, die sich plausibel anhört: "Die Gebärmutter weitet sich in der Frühschwangerschaft aus. Dies nehmen manche Frauen als Ziehen oder Zucken im Unterbauch wahr." "Das muss es sein!", denke ich und mein Herz schlägt schneller. "In den ersten Tagen wird das Geschlecht, Haar- und Augenfarbe festgelegt", lese ich weiter. Ich überlege, ob das Kind eher nach meinem Mann oder mir kommen würde und wie es wohl aussähe. Ich zwinge mich dazu diese Gedanken wieder zu verwerfen, denn ich weiß, diese Bilder vom süßen Nachwuchs treiben einen zur Verzweiflung, wenn der Schwangerschaftstest dann negativ ausfällt. Bis zum Bluttest sind es noch acht Tage. Eine gefühlte Ewigkeit!

(Fortsetzung: Zeichen oder Einbildung)

Dienstag, 19. Oktober 2010

Nidationsblutung?

Am Zyklustag neunzehn entdecke ich auf der Toilette eine dunkelrote Schmierblutung. Hallo? Was ist das denn? Es ist zwar nur wenig Blut, aber es ist Blut. Klar und deutlich. Der dunkelrote, zähe, fast bröckelige Ausfluss wird von mir genaustens unter die Lupe genommen. Zwischen Zeigefinger und Daumen inspiziere ich Konsistenz und Farbe. Ich kann doch jetzt noch nicht meine Periode bekommen? Ich kontrolliere mit dem Klopapier noch dreimal gründlich nach wie viel Schmiere sich da ankündigt. Nein, es bleibt bei einer Messerspitze voll. Die nächsten Stunden kreisen meine Gedanken um mögliche Erklärungen.

Als ich meinem Mann von dem Vorfall berichte, beweist er sich als einfühlsam, und sagt dass er meine Erläuterungen unerotisch findet und dass er den Begriff "Schmierblutung" im Zusammenhang mit meinem primären Geschlechtsteil nicht noch mal hören muss. Typisch Mann!! Ja mein Gott, wie soll ich es denn nennen, Johannisbeermarmelade? Ich stürze an meinen Rechner und beginne zu forschen. Ich habe schon irgendwo im Internet davon gelesen, dass es Schmierblutungen während der Schwangerschaft gibt. Schließlich finde ich eine für mich am plausibelsten klingende Erklärung. Die Eizelle hat sich in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet! Hierbei kann es zu der sogenannten Nidationsblutung kommen. Juhu! Alle anderen Erklärungen die etwas Negatives bedeuten würden ignoriere ich!

(Fortsetzung: Das Geschäftliche)

Samstag, 16. Oktober 2010

Der Transfer

Ich schaue ich fröhlicher in den Tag, als am sechzehnten Tag meines Zyklus aufwache. Die schlechten Nachrichten von gestern habe ich mit meiner bevorzugten Therapie verarbeitet. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen. Wir brauchen schließlich nur eine einzige befruchtete Eizelle, um unser Wunschkind zu bekommen. Warum sollte es nicht eine von den hübschen vier sein, welche die Kinderwunschklinik im Brutkasten für mich bereithält? Es ist schon erstaunlich, wie schnell mich ausreichender Schlaf und mein leichtfüßiger Optimismus wieder aufrichten.

Den Termin für meinen Transfer habe ich in die Mittagspause gelegt. Ein Glück, dass die Kinderwunschklinik in der Nähe meines Arbeitsplatzes liegt. Wie machen das bloß die Paare, die aus dem Ausland kommen, die man manchmal in der Klinik antrifft? Oder die Frauen, die Ihre Arbeitszeiten nicht so flexible gestalten können wir ich?

„Ich komme heute zum Transfer.“, erkläre ich der Empfangsdame, und dabei zaubert sich von selbst ein Lächeln auf mein Gesicht.

Für den Transfer gibt es ein eigenes Zimmer in der Kinderwunschklinik. Es ist etwas größer, behaglicher als die anderen Behandlungszimmer und der Gynäkologenstuhl steht mittig im Raum vor einem großen Plasmabildschirm auf dem Videos von schönen Landschaftsaufnahmen gezeigt werden. Ich finde das eher ein bisschen kitschig und muss schmunzeln.

Da kommt auch schon mein sympathischer Doktor herein und macht sich sofort daran mir den Katheter für den Transfer zu legen. „Zwei schöne Exemplare haben wir heute für Sie, Frau Fruchtig!" Ich muss lächeln. Als alles vorbereitet ist, sagt die Assistentin im Labor bescheid. Wenig später kommt eine Labormitarbeiterin hinein und fragt mich: „Wie heißen Sie?“ Feierlich sage ich: „Franka Fruchtig“. Sie übergibt meinem Doktor einem langen, dünnen Schlauch in dem sich wohl die Embryos befinden, die auf dem Namen Fruchtig hören. Der nächste Schritt ist so faszinierend wie einfach. Die Embryonen werden zusammen mit einer Nähflüssigkeit durch den Katheder direkt in meine Gebärmutter geschossen. Am Ultraschall-Bildschirm kann ich mitverfolgen, wie plötzlich ein kleiner weißer Punkt in der Gebärmutter auftaucht. Ein seliger Moment.

Das Labor überprüft kurz, ob die Embryos auch wirklich aus dem Schlauch verschwunden sind. Theoretisch könnten sie im Schlauch hängenbleiben. „Alles in Ordnung.“ ruft die Laborassistentin! Mein Doktor gibt mir die 1:1000-Bilder der Embryos. „Sie haben sich beide schon ein paar Mal geteilt.“, sagt er und drückt mir auch ein neues Rezept in die Hand. Ich bekomme jetzt zum einen Hormone, die ich morgens und abends einnehmen muss, außerdem einen Hormon-Nasenspray und ein Gelbkörperhormon welches vaginal einzuführen ist.

Jetzt lassen uns die Babymacher alleine. Ein wenig Ruhe nach dem Transfer soll die Einnistung begünstigen. Ein gemütlicher Videonachmittag ist also das erste, dass ich unseren Kindern bieten kann. Das Gefühl, das ich habe, ist unbeschreiblich. Es legt sich ganz automatisch ein Schalter um, der mich auf Wolke sieben schickt. Nach ein paar Minuten schwebe ich mit einem Hochgefühl aus der Klinik und grüße alle zum Abschied, als wäre ich Queen Franka.

Als ich am Abend mit meinem Liebsten im Bett liege, schiebt er sachte seine Hand auf meinen Bauch. Die Wärme seiner Hand fließt durch meinen ganzen Körper und verströmt so viel väterliche Liebe, dass ich mir eine kleine Träne verdrücken muss. Egal was wird, in diesem Moment sind wir schwanger und in meinem Bauch sind unsere Kinder!

(Forsetzung: Nidationsblutung?)

Freitag, 15. Oktober 2010

Sie sind weg!

Zyklustag fünfzehn beginnt mit einem ganz normalen Arbeitstag. Ich schleppe mich im Schongang zur Arbeit, denn mein Unterbauch tut noch ziemlich weh. Wie mein Doktor gestern vorhergesagt hatte, wurden die Schmerzen am Nachmittag schlimmer und von 15 Uhr bis 17 Uhr war das Ziehen nur im Liegen erträglich. Dass meine Eizellen nun im Reagenzglas in der Kinderwunschklinik liegen, deprimiert mich zusätzlich. Ein Vogel, dem man die Eier aus dem Nest geklaut hat, muss sich genauso fühlten wie ich.

Gegen Mittag klingelt mein Mobiltelefon. Anrufer Unbekannt. "Das kann nur die Kinderwunschklinik mit den Ergebnissen sein." schießt es mir in den Kopf. Ich greife mir das Mobiltelefon und stürze aus dem Büro. "Ja, hallo. Hier Franka Fruchtig."

"Hallo Frau Fruchtig, hier ist die Kinderwunschklinik. Wir haben die Ergebnisse aus dem Labor."
"Ja, wunderbar!" entgegne ich Ihr freundlich. Dreizehn Eizellen sind mir entnommen worden, sicher haben sich acht bis zehn befruchten lassen. Zwei würde ich morgen beim Transfer "zurück" bekommen; dann haben sie bestimmt sechs bis acht Embryos für spätere "Kryos"* eingefroren. Man hatte mir gestern im Aufwachraum noch mitgeteilt, dass das Sperma meines Mannes eine ausreichend gute Qualität hatte.

"Wir konnten vier Eizellen befruchten. Zwei davon haben wir eingefroren."
"Was?" höre ich mich nur sagen und merke, wie mir das Blut in den Kopf schießt. Irgendwas sagt die Assistentin am Telefon noch, aber ich höre es nicht. Meine eigenen Gedanken sind zu laut. Warum nur so wenige? Das heißt, dass dieser, von der Krankenkasse bezahlte Versuch, uns nur zwei Chancen gibt. In den Kinderwunsch-Foren im Internet, hatte ich ganz andere Ergebnisse gelesen. Wie kann es denn zu diesem schlechten Ergebnis kommen? Haben die in der Kinderwunschklinik denn auch alles richtig gemacht? Ich bin enttäuscht, fühle mich machtlos und mein Ohr akzeptiert nicht was es gerade gehört hat.

Ich komme langsam wieder zu mir und höre die Dame sagen, dass sechs Eizellen den richtigen Reifegrad hatten und dass vier davon befruchtet werden konnten. Das sei ein sehr guter Schnitt. Ich kann nicht sagen, wie das Gespräch endete. Ich erinnere mich nur an den drückenden Knoten in meinem Magen, an die Schmerzen in meinem Herz und an den inneren Kampf meine Zuversicht wiederzufinden.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Die Punktion

Es ist Donnerstag morgen 8:00 Uhr. Mein Mann und ich sitzen mal wieder im Wartezimmer der Kinderwunschklinik. Der vierzehnte Zyklustag ist nicht nur der Tag der Punktion, sondern auch der Tag der Entscheidungen. Vor der Entnahme der Eizellen muss man sich entscheiden, wie viele Eizellen man "zurück" möchte, also wie viele Embryonen nach der Befruchtung wieder in die Gebärmutterschleimhaut eingesetzt werden sollen. Mein Doktor empfiehlt zwei befruchtete Eizellen und wir nehmen es hin. Lieber wären mir drei Eizellen, aber der Arzt hat viele medizinische Argumente dagegen, die nicht alle verstehe.

Und passiert mit dem Rest der Eizellen? Schließlich werden alle gewonnen Eizellen befruchtet. Sollen sie eingefroren werden? Und wenn ja, ab wie vielen übriggebliebenen Eizellen möchten wir Einfrieren? Für das Einfrieren werden ein paar hundert Euro berechnet, egal ob zwei oder zehn Embryonen im Vorkernstadium übrig bleiben. Wir entscheiden uns dafür ab zwei Eizellen einzufrieren. Zuletzt muss ich schriftlich zustimmen, dass ich mich dem Narkoserisiko aussetzen will. Nach gefühlten zehn Unterschriften ist die Kinderwunschadministration abgeschlossen. Wir geben uns zum Abschied einen Kuss, denn jetzt führt man mich in den OP und meinen Mann zu einem Zimmer in dem er die Spermaspende abgeben soll.

Ich bin die erste Patientin heute Morgen. An der knatterigen Stimme erkenne ich meine Narkoseärztin wieder. Sie lächelt mich an und fragt: "Sind sie nüchtern geblieben?" Jetzt erst merke ich, dass sich die Stimme zwar knatterig anhört, ihre Körpersprache aber wohlwollend und freundlich ist. Ich fühle mich gleich ein bisschen wohler. Eigentlich geht dann alles sehr schnell. Ich entkleide mich, lege mich auf den Gynäkologenstuhl, bekomme eine Nadel in meine Paradevene geschoben und bin bereit.
"Schieben Sie jetzt bitte, ihre Hände unter ihren Po" knattert es hinter mir. Ich bin erst etwas irritiert, aber dann wird mir klar, dass ich mich damit in eine stabile Lage gebracht habe. In dieser Haltung falle ich selbst im Tiefschlaf nicht vom Stuhl. Die Klinik hat eben Erfahrung!

Als ich zehn Minuten später aufwache, stehe ich schon auf meinen eigenen Beinen und zwei starke Arme schleifen mich ins Aufwachzimmer. Ich merke, dass die nette Assistentin mir meine Unterhose wieder angezogen hat und freue mich darüber, dass man hier mit meiner Würde behutsam umgeht. Eigentlich will ich mich sofort wieder hinlegen und weiterschlafen, aber die Assistentin hält mich wach. "Möchten Sie etwas trinken?" plappert sie drauf los und "Wer holt Sie denn ab? Ist Ihr Mann noch da?". Zum Glück ist meine Schwester eingeweiht. Sie wartet sicher schon draußen. Mein Kopf sackt wieder auf die Liege. "Möchten Sie lieber Pfefferminztee oder schwarzen Tee? Wir haben auch leckere Kekse? Sie müssen doch Hunger haben." Ok, ich verstehe, weiterschlafen ist nicht erwünscht.

Ich fühle mich noch etwas gelähmt, als mein Doktor zur Tür hinein kommt, aber im Kopf bin ich schon wieder klar. Er versichert sich, dass es mir gut geht und bespricht mit mir das Ergebnis. "Dreizehn sehr schöne Eizellen haben wir gewonnen, Frau Fruchtig. Glückwunsch!" Ich lächle ihn an. Er ist wirklich sympathisch. "Geht es Ihnen gut? Haben Sie Schmerzen?" "Nein, Schmerzen habe ich nicht. Ich merke ein Ziehen im Unterbauch, das sich so anfühlt wie Muskelkater." antworte ich ihm artig. "Vielleicht werden die Schmerzen am Nachmittag etwas stärker. Bitte gehen Sie jetzt nach Hause und ruhen Sie sich aus." Um zehn Uhr, also zwei Stunden nach meinem Termin entlässt mich der Arzt in die Hände meiner Schwester. Ich bin glücklich, dass ich den - für mich schwersten - Teil der Behandlung hinter mir habe.

(Fortsetzung: Sie sind weg!)

Mittwoch, 13. Oktober 2010

PU-1

Heute ist Zyklustag dreizehn und die Sonne scheint. Bei diesem herrlichen Herbstwetter wollen wir auf jeden Fall an die Frische Luft und einen schönen Spaziergang machen. Ein Freund von meinem Liebsten meldet sich spontan mit an und wir fahren zusammen zu einer Burg in der Umgebung. Von dort aus kann man einen schönen Rundgang machen und danach vielleicht noch über den Handwerkermarkt schlendern. Mit diesem Relaxprogramm bin ich vom morgigen Ereignis abgelenkt. Pünktlich um 8:00 Uhr werde ich in der Kinderwunschklinik zur Punktion (PU) erwartet. Dieser Eingriff geschieht unter Narkose und mein netter Doktor entfernt mir dabei meine 13 Murmeln. Uahhhhhh! Jetzt spüre ich zum ersten Mal Nervosität in mir aufsteigen.

Auf der Rückfahrt sitze ich im Auto und döse vor mich hin, als auf einmal mein Mobiltelefon klingelt. Anrufer Unbekannt.

"Ja, Hallo spreche ich mit Franka Fruchtig!" knattert eine Stimme aus der Leitung.
"Ja. Wer spricht denn dort?"
"Guten Abend, ich bin Frau Doktor Tiefschlaf, Ihre Narkoseärztin für die Punktion morgen".
"Ah, guten Abend!" versuche ich so freundlich wie möglich zu sagen, denn die Situation mit dem Freund auf der Rückbank, der nichts von unserem fortgeschrittenen Kinderwunsch weiß und jetzt alles mithört, beschleunigt meinen Adrenalinausstoß.
"Ich möchte Sie bitten heute nach 21:30 Uhr nichts mehr zu essen und zu trinken." informiert mich Frau Doktor Tiefschlaf.
"Ok." sage ich nur kurz.
"Es wäre jedoch gut, wenn Sie um 21:30 Uhr noch ein großes Glas Wasser zu sich nehmen."
Daraufhin murmele ich ein zustimmendes "Hmhm, ja." in meinen Hörer und dann kommt der Hammer:
"Was wiegen Sie denn?"
"Das weiß ich nicht so genau." Mein Gott, die Frau muss von mir denken ich bin beschränkt.
"Naja, sind Sie übergewichtig?"
Argh! Was für eine Frage? Welche Frau findet sich nicht ein bisschen zu dick. "Na, ja, also das würde ich nicht sagen."
An Ihrem leichten Seufzen glaube ich zu erkennen, dass Sie es schließlich aufgibt mit mir ein sinnvolles Gespräch zu führen. Sie fügt noch schnell hinzu: "Bitte bringen Sie das Geld für die Narkose bar mit. Bis morgen!"
Mit einem völlig unpassenden "Ja, Auf Wiederhören!", schließe auch ich das Gespräch und lege auf.

Mein Gott, ich HASSE diese Geheimhaltung! Ich bin eine so schlechte Lügnerin. Den Rest der Fahrt starre ich vor mich hin. Alle Unterhaltungen im Auto erlahmen nach diesem Anruf. Jeder scheint nachzudenken.

(Fortsetzung: Die Punktion)

Dienstag, 12. Oktober 2010

Eisprung auf Bestellung

Der Kinotag beginnt mit Frühstück und der Hormonspritze aus dem Kühlschrank. Der Kaffee aus meiner George-Clooney-Maschine duftet herrlich und draußen scheint die Sonne. Es geht mir gut an meinem zwölften Zyklustag! Natürlich merke ich, dass meine Eierstöcke angestrengt arbeiten. Ich habe das Gefühl dreizehn Glasmurmeln in meinen Unterbauch durch die Gegend zu schaukeln.

Nachdem ich meinen Arbeitsplatz und mich selbst auf Vordermann gebracht habe, treffe ich mich mit Freunden. Erst wollen wir eine Kleinigkeit Essen gehen und danach in den neuen Todd Philips Film "Stichtag". Meine Eisprung-auslösende Spritze habe ich in der Handtasche. Ich kann mich weder auf das Essen noch auf die Tischunterhaltung konzentrieren, weil ich immer noch keinen Plan habe, wie ich mir um Punkt 21:30 Uhr die Spritze setzen könnte. Schaffe ich es unbemerkt im dunklen Kino? Fakt ist, dass um diese Zeit der Film noch läuft.

Ich entschließe mich vor dem Film dazu, die Spritze auf der Kinotoilette schon mal zusammen zumischen, so kann ich Zeit gewinnen. Wir haben die besten Plätze reserviert, von denen man mittig auf die Leinwand schaut. Für das Setzen einer Spritze ist das denkbar schlecht. Wollte ich die Spritze auf der Toilette setzen, müsste ich die ganze Reihe aufscheuchen - wohlmöglich noch mit der Spritze in der Hand. Die Vorstellung davon schreckt mich ab und ich erwäge, sie vielleicht doch am Platz zu spritzen. Aber ohne Licht? Wie finde ich so die richtige Stelle? Und wie bitte mache ich mir unbemerkt am Platz die Hose auf? Der neue, komplizierte Teil meines Lebens ärgert mich jetzt und ich wünsche mir in diesem Augenblick einfach zu Hause geblieben zu sein.

Als der Film beginnt, lege ich die vorbereitete Spritze unter meinen Sitz, so dass niemand darauf treten kann. Um Punkt 21:30 knöpfe ich meine Jeans auf, drehe mich schnell auf die Seite, leuchte mir kurz mit meinen Handy auf den Bauch, desinfiziere, hole die Spritze vom Boden, piekse mich kurzentschlossen in die keimfreie Bauchfalte und drücke ab. Donnerlittchen! Der Eisprung kann kommen. Ich traue mich nicht mich umzuschauen. Das wäre zu auffällig. Ich starre einige Minuten geistesabwesend auf die Leinwand, bis sich mein Puls wieder beruhigt.

Den Film habe ich irgendwie nicht verstanden. Er soll lustig gewesen sein.

(Fortsetzung: PU-1)

Montag, 11. Oktober 2010

Der dritte Ultraschall

Mein elfter Zyklustag fällt auf einen Montag. Heute schaut der Doktor bei meinen Eierstöcken noch mal nach dem Rechten. Soweit das breitbeinig möglich ist, habe ich es mir auf dem Gynäkologenstuhl gemütlich gemacht. Die Ultraschallsonde navigiert bereits um meinen rechten Eierstock. Hier sind jetzt sechs Follikel zu sehen; am linken Eierstock sind es sieben. Das heißt, es sind noch zwei potenzielle Eizellen dazugekommen. Eine gute Nachricht! Alle Follikel werden abgemessen und von der netten Assistentin in meine Patientenakte eingetragen. Meine Gebärmutterschleimhaut sieht immer noch vorbildlich aus und hat jetzt eine Dicke von 14 mm.

Gebärmutterschleimhautmessung
Der Doktor strahlt und versprüht einen Optimismus, der mir selbst ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. "Es ist alles in bester Ordnung und am Montag ist der richtige Tag für die Punktion." Die nächsten Schritte im Befruchtungsprogramm, sind etwas komplizierter und ich muss wirklich aufpassen, dass ich alles richtige verstehe:

Heute und morgen muss ich morgens die Hormonspritzen und abends die Eisprung-verhindernden Spritzen setzen. Morgen abend brauche ich eine weitere Spritze, die den Eisprung schließlich auslöst. Hierzu bekomme ich eine genaue Zeit vorgegeben: 21:30 Uhr. Diese Uhrzeit ist genau auf meinen Punktionstermin am Montag um 8:30 Uhr ausgerichtet. Am Sonntag ist der erste Spritzen-freie Tag und am Montag muss ich pünktlich und nüchtern zur Punktion erscheinen. Da fällt mir ein, dass ich morgen mit Freunden im Kino verabredet bin. Während der Doc mich entlässt, kreisen meine Gedanken darum, wo ich mir im Kino eine Eisprung-auslösende Spritze setzen kann, ohne dass jemand es merkt...
(Fortsetzung: Eisprung auf Bestellung)

Freitag, 8. Oktober 2010

Der zweite Ultraschall

Heute ist mein achter Zyklustag. Ich sitze früh morgens im Wartezimmer der Kinderwunschklinik - natürlich wieder vor der Arbeit. Die Termine häufen sich und ich kann mir ja nicht immer frei nehmen. Was sollte ich meinem Chef auch sagen? Ich hab Zahnweh, ich habe Bauchweh, ich muss auf 'ne Beerdigung, ich war schon wieder beim Zahnarzt? Das glaubt er mir nicht, denn ich bin sonst nie krank. Er würde denken, dass ich verschlafen habe oder dass ich einfach was Besseres zu tun habe als zu arbeiten. Das kann sich keiner leisten.

Heute dauert es ein bisschen. Viele Wartende sitzen um mich herum. Zwangsläufig schaue ich mir die Paare an und frage mich: "Liegt es an ihm oder an ihr?" Ich schäme mich für den Gedanken. Das Gleiche werden sich die Paare bei mir fragen. Ich senke also meinen Blick und schaue wieder tief in die Gala. Mir stechen besonders die glücklichen Gesichter von John Travolta und Kelly Preston ins Auge. Kelly ist 48 Jahre alt und gebährt in wenigen Wochen ein Kind. Wahnsinn! Die ist ja noch zehn Jahre älter als ich!

Als ich mir gerade etwas zu Trinken nehmen will werde ich aufgerufen. Der Doktor geht mit einem "Dann wollen wir doch mal schauen!" beherzt ans Werk. Auf dem Monitor des Ultraschallgerätes verfolge ich alles mit. An meinem linken Eierstock haben sich 5 Follikel gebildet. Am rechten sind es 6. Jeder Follikel ist circa 7-9 mm groß. Das scheint in Ordnung zu sein. Außerdem prüft er den Aufbau meiner Gebärmutterschleimhaut. Die findet er vorbildlich. Sie ist 10 mm dick. Dafür bekomme ich ein großes Lob. Das ist das erste Kompliment in meinem Leben für ein inneres Organ. Ich weiß es nicht so recht zu schätzen aber denke: "Egal! Komplimente sind immer gut."

Der Doktor drückt mir ein neues Rezept und einen erweiterten Behandlungsplan in die Hand. Ab sofort muss ich täglich abends eine zusätzliche Spritze setzen, die den vorzeitigen Eisprung verhindert. Er sagt mir, dass die Punktion wahrscheinlich am 14ten Zyklustag stattfinden wird. An dem Tag muss auch mein Mann mitkommen und eine Spermaspende abgeben. Die Assistentin macht mit mir noch mal einen Termin für den dritten Ultraschall am elften Zyklustag aus und entlässt mich. In der Apotheke gegenüber, gebe ich mein letztes Taschengeld für die neuen Spritzen aus. Immerhin gibt es eine Tüte Lakritz und ein paar Augencremeproben gratis dazu.

(Fortsetzung: Der dritte Ultraschall)

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Spritz-Routine

Heute ist der sechste Zyklustag. Jeden Morgen spritze ich mein follikelstimulierendes Hormon. Ich bin fast ein Profi. Das Zusammenmischen von Pulver und Wasser sowie das Aufziehen der Spritze funktionieren einwandfrei. Nach dem Spritzen brennt es meist ein wenig an der Einstichstelle aber meinem Bauch sieht man die Behandlung nicht an. Nur einmal habe ich wohl ein kleines Äderchen erwischt. Es kam ein Minitropfen Blut aus dem Einstichsloch und am nächsten Tag entdeckte ich an dieser Stelle einen kleinen blauen Fleck.

Körperlich Fühle ich mich wohl. Ich merke nichts von der Wirkung der Hormone und bin so ausgeglichen wie vorher. In zwei Tagen, gehe ich wieder zur Kinderwunschklinik. Es wird noch mal ein Ultraschall gemacht um zu schauen, ob ich die richtige Dosis Hormone bekomme. Ich bin gut drauf! Kinderkriegen scheint auf einmal ganz einfach zu sein.

(Fortsetzung: Der zweite Ultraschall)

Sonntag, 3. Oktober 2010

Der erste Ultraschall

Am dritten Zyklustag sitze ich pünktlich um 8 Uhr im Wartezimmer der Kinderwunschklinik. Man sitzt dort zusammen mit lauter Nichtschwangeren. Mit ein wenig Unverständnis beäuge ich die Mütter mit Kindern, die auch im Warteraum sitzen. Was wollen die denn hier? Ich weiß nicht, ob mich die Anwesenheit der Kleinkinder erfreuen oder belästigen soll. Sind die Racker vielleicht das Produkt einer künstlichen Befruchtung gewesen? Ich werde es wohl nie erfahren, schließlich spricht man hier nicht miteinander.

Ein "Franka Fruchtig, bitte!" reißt mich aus meinen Gedanken. Ich bin dran! Der Doktor und seine Assistentin sind echt sympathisch. So was finde ich wichtig. Ich will kein Kind von jemandem bekommen, den ich nicht leiden kann. Der Ultraschall verläuft gut. Beide Eierstöcke sind ohne Zysten. Das ist offenbar wichtig für die bevorstehende Hormonbehandlung.

Der Doc spricht mit mir den weiteren Behandlungsverlauf durch. Ich bekomme ein Rezept und muss noch am gleichen Tag mit den täglichen Hormonspritzen beginnen. Die Spritzen bewirken, dass sich in diesem Zyklus mehrere Follikel in beiden Eierstöcken bilden. Normalerweise wächst pro Zyklus nur ein Follikel heran. Mit diesen Informationen entlässt mich der Doc.

Die Apotheke, die alle Hormonpräparate lagernd hat, liegt direkt gegenüber. Das nenne ich einen strategisch guten Standort! Ich kaufe die Hormonspritzen auf Rezept. Trotzdem sind sie teuer. Ich verabschiede mich von ein paar hundert Euro, bekomme aber auch einen Stofftierstorch - der persönliche Schwangerschafts-Glücksbringer der Apotheke meines Vertrauens. Ich gehe noch mal zur Klinik zurück. Die Assistentin hilft mir beim Setzen der ersten Spritze. Ich vermische Hormonpulver mit Wasser, klopfe die Luftbläschen aus der Spritze, forme eine Bauchfalte, desinfiziere sie mit einem Alkoholtupfer, steche zu, schiebe langsam den teuren Hormoncocktail in mich, ziehe die Nadel aus mir, und wische den kleinen Tropfen vom Einstichsloch ab. Fertig! Ok, habe ich soweit verstanden. Den restlichen Tag kann ich ganz normal weiterleben. Toll!

(Fortsetzung:Spritz-Routine)

Freitag, 1. Oktober 2010

Es geht los!

Heute hat meine Blutung eingesetzt. Beim Vorgespräch in der Kinderwunschklinik (KWK) sagte man mir, dass ich am ersten Tag der Blutung einen kurzfristigen Termin für eine Ultraschalluntersuchung vereinbaren soll. In der Klinik geht eine wirklich freundliche Dame ans Telefon. Ich bekomme einen Termin früh morgens um 8 Uhr am 3. Oktober. Das ist schon in zwei Tagen! Um diese Uhrzeit kann ich noch vor der Arbeit hingehen. Schließlich habe ich einen verantwortungsvollen 40-Stunden Job, der durch unseren Kinderwunsch nicht zu sehr beeinträchtigt werden darf. Jetzt noch nicht!

Ich bin aufgeregt. Ich habe keine Ahnung, was in den nächsten Wochen auf mich zukommt aber endlich kann ich etwas gegen unsere Misere unternehmen.

(Fortsetzung: Der erste Ultraschall)